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Der Baltisch-Westfälische Weg der Jakobspilger zwischen Bremen und Osnabrück



Seit zwei Jahren erforscht und rekonstruiert ein Arbeitskreis der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft, Region Norddeutschland den Weg der Jakobspilger zwischen Bremen und Osnabrück. Diese Wander- und Pilgerstrecke ist nur ein kleiner Teil des Baltisch-Westfälischen Jakobsweges, der vom Baltikum bzw. Polen über Usedom (2759 km) und von Skandinavien über Flensburg (2600 km) zum Apostelgrab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien führt.

Als Ergebnis dieser Recherche wird im Mai 2008 ein Pilgerführer für die Strecke Bremen - Osnabrück erscheinen, herausgegeben von der Koordinationsstelle des hiesigen Jakobsweges, dem Museum im Zeughaus, Vechta, gefördert durch die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten, dem Landkreis Vechta und der Stadt Vechta.

Durch die bereits vorliegenden Pilgerführer des Landschaftsverbandes Rheinland und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe liegt mit diesem siebten Band für den größten Teil der deutschen Jakobswege ein einheitliches Format vor. Die auch in diesem Band reichhaltigen Informationen zu den Spuren der Jakobspilger und der Jakobusverehrung, touristischen Tipps zu Sehenswürdigkeiten von Natur, Kultur sowie gut ausgearbeiteten Karten (Maßstab 1:25 000) führen nicht nur Pilger, sondern alle Wander- und Radfahrfreunde auf 10 Etappen fern von großen Verkehrsstraßen durch die stille, abwechslungsreiche Norddeutsche Tiefebene und das Oldenburger Münsterland mit seinen Fachwerkdörfern und Wegekreuzen.

Ausreichende Angaben zu Unterkünften in Pilgerherbergen, Einkaufs- und Rastmöglichkeiten auf der ca. 190 km langen ausgeschilderten Strecke erleichtern die Vorbereitung der Pilgerreise zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Leider machten umfangreiche infrastrukturelle Arbeiten, Abgrabungen, Neubaugebiete und Verkehrsstraßen es nicht immer möglich, der alten Streckenführung zu folgen. Die neu gewählten Wege verlaufen aber meist parallel zu diesen und genügen den Ansprüchen des heutigen Pilgerns.

Leider erhielt die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft nicht für alle Streckenabschnitte die Genehmigung zur Ausschilderung mit der goldgelben stilisierten Jakobsmuschel auf blauem Grund. Besonders in den Waldgebieten des Forstamtes Ahlhorn um Wildeshausen /Visbek (siehe Karten: gestrichelte Steckenlinien) fehlt das Wegezeichen. Leider werden auch immer wieder Wegeschilder gestohlen oder widerechtlich entfernt. Die Pilger werden gebeten, sich an den Emblemen für die Wanderwege "Geestweg" (Bremen bis Wildeshausen) und "Pickerweg" (Wildeshausen bis Osnabrück) zu orientieren.

Seit wann der Handels-, Heer- und Pilgerweg zwischen Wildeshausen und Osnabrück den Namen "Pickerweg" trägt, ist bisher nicht überliefert. Auf alten Karten taucht der Name als Straßenbezeichnung erst mit dem 19. Jahrhundert auf. Die Bezeichnung sollte schon damals eher an seine ehemalige Nutzung erinnern als seine aktuelle Funktion beschreiben.

Als Teilstück der schon im Mittelalter quellenmäßig belegten "Rheinischen Heerstraße" - einem alten Hansehandelsweg - verbindet er Orte, die erstmals zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt werden. Obwohl seine Hauptfunktion sicherlich als überregionaler Handels- und Heerweg zu sehen ist, wird er erstmals als Pilgerweg schriftlich erwähnt. In der "Translatio" des Heiligen Alexanders von Rom nach Wildeshausen 851 n. Chr. wird deutlich, welch überragende Bedeutung dieser Weg in der Folgezeit für die Christianisierung des nordwestdeutschen Raumes hatte. Die Nachrichten über Pilger, die nicht nur aber auch nach Santiago de Compostella liefen, reißen in den folgenden Jahrhunderten nicht ab.

Die nächste Erwähnung in der "Vita Bennonis" hebt seine Funktion zum Herrschaftsaufbau und ihrer Sicherung des Bistums Osnabrück im Zehntstreit der Osnabrücker Diözese mit dem Kloster Corvey und Herford (1076 - 1088) hervor. Mit den im Auftrag von Benno II. angefertigte, gefälschten Urkunden in dieser Auseinandersetzung, die letztlich zu einer Anerkennung der Osnabrücker Ansprüche geführt hat, wird auch eine Herbergspflicht für die Zinshöfe eingeführt, die im weiteren zu einem systematischen Herbergssystem entlang der Strecke - den Pickerherbergen, den "Pickereien" - ausgebaut wurde. Solche waren in der Neuzeit noch in Kroge und Lutten zu finden. Klöster, die Arme und Pilger aufnahmen, wurden dabei von bestimmten Abgaben befreit. Damals scheint sich in Folge des wachsenden Warenstroms zwischen den Handelsmetropolen Köln und Bremen/Lübeck ein geregeltes Transportsystem mit Vorspann- und Hilfsdiensten - den sog. "Pickerknechten" - und bäuerlichen Frachtunternehmern, den "Picker", entwickelt zu haben. Um Bremen werden diese Fuhrleute entsprechend ihrer Hauptherkunft aus dem Ort Leeste "Leister" genannt. Das System ist vergleichbar mit den Treidelgesellschaften an Flüssen.

In der Zeit zwischen 1298 und 1456 sind die zum Schutz der Kaufleute und Picker ausgestellten Geleitbrief Zeugnisse des Höhepunktes hansischen Handels auf der "Rheinischen Heerstraße".

Der Charakter des Pickerweges als Heerstraße und damit vielfach als Straße, die Leiden über die Bevölkerung brachte, wird z.B. am Bau der Vechtaer Zitadelle deutlich. Um 1666 bei der Auseinandersetzung zwischen Schweden und Bremen zu verhindern, dass die schwedischen Truppen auch in das Fürstbistum Münster einfielen, wurde am Übergang in dieses Territorium die Festung Vechta als Sperrriegel gebaut.

Die ausführliche Darstellung der Funktion des Pickerweges spiegelt sich in den verschiedenen Deutungsansätzen des Namens wieder. Nimmt man den Wortstamm pik bzw. pec, löst sich das Geheimnis: Aus dem Lateinischen kommend hat dieser Wortstamm vielfältigen Eingang in alle angelsächsischen und romanischen Sprachen gefunden und dient als Basis für Begriffe aus Wirtschaft und Handel z.B. pecunia, Militär pikenier bis hin zu kirchlichen Begriffen wie sündigen = peccare. Sogar im biologischen Gattungsbegriff der Jakobsmuschel pecten taucht er auf. Der Name Picker ist also eher eine geniale Wortschöpfung denn ein eindeutig zu bestimmender Begriff.



Kontaktadresse:

Koordinationsstelle Jakobsweg Bremen -Osnabrück
Museum im Zeughaus
Zitadelle 15
49377 Vechta
Tel. 04441-93090
Fax 04441-93094
Mail: info@museum-vechta.de
Internet: www.jakobswege-norddeutschland.de

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