Aktuelles
10.11.2017
Weltpremiere von „Wer war Hitler“ in Vechta: Publikum ist beeindruckt von Hermann Pölkings Meisterwerk
400 Gäste haben die Weltpremiere des Films „Wer war Hitler“ in Vechta erlebt. Regisseur Hermann Pölking-Eiken präsentierte die dreistündige Kinofassung seines Meisterwerks in drei vollbesetzten Kinosälen der Schauburg Cineworld. Die Besucher waren beeindruckt von der bewegenden, authentischen und nachdenklich stimmenden Dokumentation. Pölking-Eiken war es nach Meinung vieler Gäste gelungen, dem Publikum das Leben des Diktators auf eine völlig neue Art und Weise näher zu bringen.
 
Der Regisseur, der aus der Region stammt, erklärte beim anschließenden Directors Talk der Stadt Vechta, er habe ausschließlich Bildmaterial aus der Zeit des Geschehens verwendet. Grundlage war eine der umfangreichsten Archiv-Recherchen, die jemals für eine TV- oder Kino-Dokumentation betrieben wurden. Mehr als 120 Archive in 14 Ländern wurden ausgewertet, hunderte Stunden Film gesichtet, restauriert und technisch bearbeitet.
 
40 Prozent der Aufnahmen seien in dem Film zum ersten Mal öffentlich zu sehen, viele weitere Szenen seien bisher sehr selten verwendet worden, sagte Pölking-Eiken. Bei 80 Prozent des verwendeten Bildmaterials handele es sich um Amateuraufnahmen. „Man findet das Material durch eine jahrelange systematische Suche“, erklärte der Filmemacher und Buchautor: „Alle paar Jahre muss man alles neu durchforsten, weil die verschiedenen Generationen bereit sind, ihre Filme aus dem Familienbesitz abzugeben. Man muss aufpassen, dass man sie dann ergattert.“
 
Produzent Thorsten Pollfuß ergänzte: „Herrmann hat dafür 1000 Kaffee mit Erben und Enkeln trinken müssen.“ Durch die Privataufnahmen erzeuge der Film ein neutraleres Bild als frühere Dokumentationen, bei denen vor allem auf propagandistisches Material aus den Wochenschauen gesetzt worden sei. „Wir hoffen, dass wir durch die Sichtweise von unten ein anderes, unverfälschteres Bild zeigen und den Zuschauer in die Zeit zurückversetzen können“, sagte Pollfuß.
 
Dazu trägt auch die Erzählweise bei. In „Wer war Hitler kommen ausschließlich Zeitgenossen und Hitler selbst zu Wort. Ihre Aussagen aus Tagebüchern, Briefen, Reden und Autobiographien werden von insgesamt 210 Sprecherinnen und Sprechern wiedergegeben und mit neuem, weitgehend unveröffentlichtem Archivmaterial montiert. In der Dokumentation spiegelt sich so Hitlers Leben und Wirken auf einmalige Weise im Gesellschaftsbild der Jahre 1895 bis 1945 wider.
 
Dies liegt auch an Schauspieler Jürgen Tarrach, der Hitler im Film seine Stimme gibt. Bei der Premiere in Vechta erklärte Tarrach, er habe dem Diktator eine normale, ruhige und alltägliche Stimme verleihen wollen, die anders geklungen habe als das oftmals von öffentlichen Reden bekannte Schreien. Hitler sollte in seiner Interpretation eher wie im Alltag zu hören sein, so wie auf einer Original-Tonbandaufnahme, die lange nach dem Krieg gefunden worden sei, sagte Tarrach. Er erklärte dazu: „Das Böse ist banal, das Böse ist in uns allem. Und er hat sich nicht als das Böse empfunden.“

Die Besucher waren beeindruckt von der aufwendig produzierten Zitat-Bild-Collage. Die verhältnismäßig lange Spieldauer von 3:15 Stunden habe er nicht als solche empfunden, sagte Bürgermeister Helmut Gels: „Ich bin mir sicher, dass dieser Film einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus‘ leisten wird. Es ist die Art der Filmaufnahmen und die Erzählweise, die ihn einzigartig machen.“ Der Film zeige auch „Parallelen zum aktuellen politischen Geschehen in der Welt des 21. Jahrhunderts auf. Parallelen, die uns nachdenklich stimmen sollten“, sagte Gels.
 
Der Film läuft derzeit in den Kinos in Vechta, Lohne und Damme sowie in der Nachbarstadt Diepholz. Der bundesweite Filmstart ist der 16. November.


 
Info: Wer war Hitler. Ein Film von Hermann Pölking, produziert von Thorsten Pollfuß für die Epoche Media, im Verleih der Edition Salzgeber, Spieldauer: 3 Stunden 15 Minuten; Filmschnitt: Julio Olmo Poranzke; Musik: Julius Holtz; Jürgen Tarrach spricht Adolf Hitler; Deutschland 2017.
 
Mit Unterstützung der FFA Filmförderanstalt, NORDMEDIA- Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und dem DFFF Deutschen Filmförderfonds der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Bild:Weltpremiere von „Wer war Hitler“ in Vechta: Publikum ist beeindruckt von Hermann Pölkings Meisterwerk
Zur Premiere in Vechta kamen (von links) Thorsten Pollfuß, Hermann Pölking-Eiken, Jürgen Tarrach und Helmut Gels. Foto: Meyer




Stadtverwaltung Vechta
Burgstraße 6
49377 Vechta
Telefon: 04441/886-0
info@vechta.de