Vor 22 Jahren gaben sich Ronda Schmidt und Louis Wenzel aus Texas (USA) ein Versprechen. Sie reisten gerade gemeinsam durch Europa und machten Station in jener Stadt, in der sie sich zwei Jahre zuvor während eines Austauschprogramms kennengelernt hatten: Vechta. Beide fanden, dass dieser der richtige Ort war sich zu verloben. Ein spontaner Entschluss, aber der Beginn ihres gemeinsamen Lebens. Heute müssen Ronda und Louis ein wenig darüber schmunzeln, dass sie ihre Namen in den Holztisch ritzten, an dem sie damals saßen. Den Namen der Gaststätte, hat Ronda nicht vergessen: „Destille“.

 

Bei ihrer Rückkehr nach Vechta waren Ronda und Louis August Wenzel (44 beziehungsweise 46 Jahre alt) jetzt ganz begeistert, dass es die Gaststätte - unter ihrem heutigen Namen „Banane“ - nach wie vor gibt. Vor allem interessierte sie aber, wie sich Vechta seit ihrer Verlobung im Jahr 1995 entwickelt hat. Gemeinsam mit ihren Kindern Mason (17), Lydia (13) und Grace (11) erkundeten sie die Stadt, in der „Mom“ und „Dad“ eine gute Zeit verbracht hatten.

 

Beide hatten das Glück, im Jahr 1993 zwei von nur vier Studenten der Texas Lutheran University in Seguin zu sein, die an einem Austauschprogramm mit der damaligen Hochschule Vechta unter der Leitung von Professor Wilfried Kürschner teilnehmen durften. Rondas Gasteltern waren während dieser Zeit Elsbeth und Helmut Backhaus. Der Kontakt besteht bis heute. Daher war ein Besuch Pflicht.

 

Helmut Backhaus, früher Studiendirektor am Gymnasium Antonianum, begleitete die Wenzels nun auch ins Rathaus an der Burgstraße. Dort begrüßte der stellvertretende Bürgermeister Claus Dalinghaus die Familie aus San Antonio, Texas. Die US-Amerikaner zeigten sich beeindruckt vom Rathaus mit seiner Glasfassade und von der positiven Entwicklung Vechtas in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Sie hatten vor ihrer Reise angefragt, ob sie während ihres Aufenthalts auch ins Rathaus kommen könnten, um ein gemeinsames Foto mit einem Vertreter der Stadt zu machen. Diesen Wunsch erfüllte ihnen die Verwaltung gerne. 

 

Schließlich ist und bleibt Vechta ein bedeutender Ort im Leben von Ronda und Louis. Sie berichteten, dass sie zwar an derselben Uni studierten, sich aber erst 1993 in Vechta kennenlernten. Mit ihrem Besuch in Deutschland wollten sie ihren Kindern jetzt auch vermitteln, dass es sich lohnt über den Tellerrand – und den großen Teich – zu schauen. „Wir wollen ihnen vor allem zeigen, dass es vieles gibt, was man auf der großen weiten Welt unternehmen kann“, erklärte Louis Wenzel. Es gebe viele Dinge, die Menschen verschiedener Nationalitäten voneinander lernen könnten. Denn kein Staat könne für sich in Anspruch nehmen, alles richtig zu machen. Unter anderem beeindrucke ihn in Deutschland, wie der Staat und die Menschen soziale Verantwortung übernähmen, sagte der Familienvater und Anwalt.

 

Ronda Wenzel, die als Pharmazeutin arbeitet, sieht es genauso. Von ihrem Deutsch-Studium ist einiges hängen geblieben. So plauderte sie auf Englisch und Deutsch mit Claus Dalinghaus und Helmut Backhaus und gab sich selbst am Ende ein Versprechen: Zum Stoppelmarkt, den sie noch nicht kenne, müssten sie und ihre Familie definitiv einmal zurückkehren. Aber nicht erst nach weiteren 22 Jahren.