Am Freitag (24. Juni) hat die Stadt die Jubiläumsausstellung „350 Jahre Zitadelle Vechta (1666 – 2016)“ im Museum Vechta eröffnet. Sie ist bis zum 16. Oktober im zweiten Obergeschoss des Zeughauses zu sehen. Museumsleiter Axel Fahl-Dreger erklärt, dass es sich nicht um eine chronologische Präsentation über die Geschichte der Wehranlage handelt. Die Ausstellung soll den Besuchern vermitteln, wie durch den Bau der Zitadelle nach Jahren des Krieges und der Zerstörung wieder Hoffnung, Glaube und Sicherheit in Vechta Einzug hielten.  

 

Am 1. August 1666 erfolgte der so genannte erste Spatenstich, veranlasst durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. Er hatte soeben den Krieg gegen die Niederlande verloren. Der Friede von Kleve hatte die münsterische Militärmacht auf defensive Aufgaben beschränkt. Doch nun flammten erneut Kämpfe zwischen den Schweden und der Stadt Bremen auf, und der Fürstbischof beschloss zum Schutz des Territoriums den Ausbau der Landesfestungen.

 

Zunächst sollte die Festung Vechta errichtet werden. Christoph Bernhard befürchtete schwedische Übergriffe auf das Niederstift. Am 31. August nahmen die ersten Soldaten ihre Schanzarbeiten auf, die 1667 weitgehend abgeschlossen wurden. Knapp über 100 Jahre sollte die neue Zitadelle Bestand haben, nicht zum Schutz der Stadt Vechta, sondern als nordöstliches Bollwerk des münsterischen Territoriums. 1769 wurde die Festungsanlage geschleift, da sie weder der weiterentwickelten Wehrtechnik noch den neuen politischen Gegebenheiten mehr standhalten konnte.

 

Die Stadt Vechta begann in den 1980er Jahre mit dem Wiederaufbau eines Teils der Zitadelle und der Eröffnung des Museums im Zeughaus, sich selbst ein Stück ihrer Geschichte und Identität zurückzugeben. 2016 feiert sie mit der gesamten Bevölkerung in zahlreichen Veranstaltungen den 350. Geburtstag der Zitadelle Vechta.

 

Die Ausstellung ist keine im eigentlichen Sinne historisch-chronologisch aufgebaute Präsentation. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche positiven Kräfte, welche Visionen mit dem Aufbau der Zitadelle 1666 durch den münsterischen Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen in der Bevölkerung der Stadt Vechta möglicherweise freigesetzt wurden. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges mit all seinen Schrecken und Unsicherheiten können die Menschen wieder anfangen, Perspektiven für ein neues Leben aufzubauen. Die neue Zitadelle kann zukünftig wieder Schutz und Ordnung im Alltag, die Übernahme der kirchlichen Oberhoheit durch Münster eine Stärkung des Glaubens bieten. Ein Symbol dieses Wandels ist die Strahlenmadonna, die von Galen stiftete. Bis heute wird sie bei Prozessionen der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt an Christi Himmelfahrt durch Vechta getragen.

 

Die Strahlenmadonna ist eines der Ausstellungsstücke. Genau wie ein Gemälde, das die Belagerung Bremens durch die Schweden zeigt, einer der Auslöser des Zitadellenbaus. Die Ausstellung bringt den Besuchern mit moderner Ausstellungstechnik über Videoprojektionen, Inszenierungen und Medienstationen das Gefühl einer neuen Zeitrechnung für Vechta näher.