Am Donnerstag, den 19. Oktober,  liest Martin Haas um 19.30 Uhr im Museum Vechta aus seiner Erzählung: „Wie Tauwind war die Stille: Einsame Schulwege, Lehrergestalten, Stimmen der Landschaft“


Martin Haas, geb. 1939 in Augustfehn war Gemeindepfarrer zwischen 1968- 2003 in verschiedenen Kirchengemeinden. Seit 2003 befindet er sich im Ruhestand.


Im Vordergrund seines autobiographischen Buches stehen drei Lehrer: ein Sprachlehrer, der den Kindern eine vorzügliche Aussprache beibrachte, ein Deutsch- und Musiklehrer mit dem reichen Sinnfeld des Hörens – klassische Musik, Volkslied, Klangzauber der Lyrik, Kunst des mündlichen Erzählens, und ein Mathematiklehrer mit dem Sinnfeld des Sehens – die Welt als Zahl, mit der Schärfe des logischen Denkens, der ordnenden Kraft des Sehens in Geometrie und Perspektive.


Diese Schulgeschichte ist eingebettet in die norddeutsche Landschaft – großer Reichtum von Stimmungsbildern im Wechsel der Jahreszeiten, tiefe Eindrücke von Weiträumigkeit und Stille in der flachen Ebene – mit dem täglichen Weg zur Schule über eine schmale Brücke und dem freien Blick auf das dahinziehende Wasser, auf die ausgedehnten Wiesenflächen und Wolken.


Dazu gehört auch der zeitgeschichtliche Hintergrund der Schule: das Schicksal Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, Vergangenheitsbewältigung und Drittes Reich im Geschichtsunterricht.


Das Buch ist aber auch eine Biografie des Innenlebens des Autors: Tauwind und Stille beim Schulweg über die Brücke mit dem Blick auf die Eisschollen, die langsam auf dem Fluss dahintreiben. Tauwind, wenn der Erzählstrom allmählich ins Fließen kommt und erstarrt und halb vergessene Erinnerungsbilder wieder zum Leben erwachen und blühende Farben gewinnen. Tauwind, wenn der Autor als alter Mann noch einmal seinen Schulweg beschreitet – eine frische Brise weht ihm entgegen – der rauweiche Windstoß des Nordens. Tauwetter, wenn der Erzähler hineinlauscht in die Musik der verklungenen Jahre und dort eine wechselvolle Tanzmelodie vernimmt – den raschen Dur-Moll-Wechsel der verwehenden Zeit.


Der Eintritt ist frei.