Gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörer haben sich im Pfarrheim Maria Frieden über die Ergebnisse einer Seniorenbefragung informiert. Die Projektgruppe „selbstgestALTER“ der Sozialstation Nordkreis Vechta hatte diese in Kooperation mit der Stadt und dem Seniorendienstleister pro vita initiiert. Sarah Bramlage und Janine Devers erklärten, sie hätten 216 Vechtaer ab 65 Jahren befragt, wie diese im Alter leben wollen beziehungsweise leben. Von April bis Juli 2016 besuchten die „selbstgestALTER“ die Bürgerinnen und Bürger in den Wohngebieten rechts und links des Lattwegs. Sie sammelten Antworten mit Hilfe von anonymisierten Fragebögen. Dabei ging es auch um die Fragen: Wie fit sind die Interviewten?, Was machen sie in ihrer Freizeit?, Wie sind sie in der Familie, im Freundeskreis und in den Nachbarschaften eingebunden?, Was müsste getan werden, um so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu bleiben?

 

Die Projektpartner sind sich einig: Vor dem Hintergrund der allgemeinen Entwicklung einer immer älter werdenden Bevölkerung, welche zunehmend auch das Stadtgebiet betrifft, gilt es, sich gemeinsam gut für die Zukunft aufzustellen. Für Anfang kommenden Jahres sind drei Veranstaltungen geplant, in denen wichtige Themen vertieft bearbeitet werden. Im Januar sollen die Themenfelder „Freiraum und Sozialraum“, „Wohnen und Unterstützung“ sowie „Gesundheit und Mobilität“ behandelt werden. Sarah Bramlage, Janine Devers und Helmut Themann (alle Projektgruppe Selbstgestalter) sowie Bürgermeister Helmut Gels luden alle dazu ein, sich daran zu beteiligen.

 

Die Befragung lieferte bereits wichtige Erkenntnisse für künftige Konzepte und Planungen. So spielen für die Befragten die eigene Mobilität und ein Leben in der gewohnten Umgebung eine große Rolle. Dafür werden niedrigschwellige Hilfen benötigt, etwa im Haushalt und im Garten, aber auch für Fahrten zum Arzt und zum Einkaufen. Wichtig wird hier, so das Fazit der Projektgruppe, ehrenamtliche und nachbarschaftliche Strukturen und Hilfen zu fördern. Bestehende Angebote müssen bekannter gemacht und ausgebaut werden; für die Nachbarschaftshilfe müssen die Menschen wieder stärker sensibilisiert werden. Denn die familiären Strukturen haben sich deutlich verändert, das Leben mehrerer Generationen unter einem Dach ist selten geworden.

 

Auch die Kommunen sind gefordert, sich auf Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft vorzubereiten. Mit dem Stadtbus und dem Projekt Moobil+ wächst seit einigen Jahren ein öffentliches Verkehrsangebot. In der Befragung wurde deutlich, dass hier noch viel Potenzial besteht, dass Senioren aktiver den Bus nutzen. Allerdings wurde auch auf die Unsicherheit im Umgang damit hingewiesen.

 

Bürgermeister Gels wies in diesem Zusammenhang auf das Beratungsangebot des Seniorenbüros hin (siehe Info). Hier geben ehrenamtliche Senioren Informationen auf Augenhöhe. Ein Bestandteil sei auch ein regelmäßiges Stadtbustraining, so Gels. Dabei erfahren die Teilnehmer zum Beispiel, dass man nicht nur an den Haltestellen in den Stadtbus einsteigen kann. Es sei auch möglich, die Busse auf ihren offiziellen Routen unterwegs per Handzeichen anzuhalten, erklärte Gels. In der Befragung hatte es unter anderem den Wunsch nach mehr Haltestellen gegeben.  Inhaber der Seniorencard können den Stadtbus indes kostenlos nutzen.

 

Für die Kommune wird es in den kommenden Jahren weiterhin eine Aufgabe sein, die Lebenssituation älterer Menschen bei den städtebaulichen Planungen zu berücksichtigen. So wurde der Wunsch nach mehr Bänken zum Ausruhen und einer sicheren Verkehrslage ohne Barrieren deutlich. In diesem Punkt ist beispielsweise das Verkehrs- und Wohnprojekt „Neue Mobilität am Park“ auch auf die Bedürfnisse älterer Generationen ausgerichtet. Die Stadt baut am Bahnhof ein Mobilitätszentrum, wo die unterschiedlichen Verkehrsmittel - Stadtbus, Nordwestbahn, Taxi-Unternehmen, eigenes Auto und Fahrrad - miteinander verknüpft werden. Zudem sind Ladestationen für E-Bikes und Elektro-Autos in der Planung. Es wird eine Brücke für Fußgänger, Fahrradfahrer, Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollatoren gebaut, welche die westlichen Wohngebiete und den Zitadellenpark mit der Innenstadt verbindet.

 

Außerdem errichten Investoren auf der Fläche zwischen dem Kino und der Straße An der Gräfte moderne Stadthäuser mit neuen Wohnungen – potenziell auch für ältere Menschen - und einer Parkgarage, in dem viele öffentliche und private Parkplätze entstehen. Durch ein großes Angebot an innenstadtnahen Wohnungen können Senioren kurze Wege zu Geschäften, Apotheken und Ärzten gewährleistet werden, um die Infrastruktur der Innenstadt besser nutzen zu können. Hier ist in Vechta sicherlich schon einiges geschehen – auch durch die ansässigen Seniorendienstleister. Es gilt aber auch, Wohnprojekte für das gewohnte Umfeld in gewachsenen Siedlungsgebieten von langer Hand zu entwickeln. Auch die Kommune kann hier als Partner fungieren.  

 

Das Seniorenbüro ist kürzlich vom Rathaus in die neuen Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Johanniter-Seniorenwohnanlage gezogen:

 

An der Christoph-Bernhard-Bastei 1

49377 Vechta

Telefon: 04441/886-666

Email: senioren@vechta.de

Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr.

Weitere Infos: www.vechta.de/Leben/Familie/Seniorenburo.aspx