„Ich wusste nicht, dass ich hier so persönliche Gedanken preisgeben würde. Aber an einem fremden Ort tue ich so manches, was ich zu Hause lasse.“, so Annalisa Hartmann, „2. Artist in Residence“ in Vechta in ihrer Abschlusslesung am gestrigen Abend im Museum im Zeughaus. Gut 50 Personen waren zur Lesung gekommen um den sehr leisen und nachdenklichen Tönen der 26-jährigen Schweizerin zu lauschen. Seit Anfang April ist Hartmann in Vechta und hat ihre Eindrücke zur „Global City Vechta“ sehr lyrisch und poetisch festgehalten. Zusammen mit Alfred Büngen vom Geest-Verlag und Olaf Bröcker aus der Schreibwerkstatt des Antonianums trug sie ihre Texte vor. Sie habe vor allem Kontakt zu Zugereisten, Flüchtlingen und Studierenden gehabt, aber auch vereinzelt zu Einheimischen aus Vechta. Zentraler Ort für sie sei der Platz rund um das Pferd geworden, wo sie mit Menschen aus Vechta ins Gespräch gekommen sei. „Es ist schon sehr mutig gewesen, zu den von mir angekündigten Plätzen zu kommen. Denn man musste immer mich ansprechen, da ich nicht wusste, wer mich treffen möchte, so die Stadtschreiberin“. Entstanden sind bei  Hartmanns Texten Bilder der Begegnung mit dieser Stadt, die über die literarische Emotionalität für jeden Hörer nachvollziehbar waren, ihn berührten, eigenes Erleben hervorrief – dies mit vielerlei literarischen Figuren, bspw. der alten Frau, die wie die Bergbäuerin in ihrem alten Bilderbuch aussieht, dem Mädchen Zoya, die von ihrem Wortwald träumt oder der Sonntagspendlerin Maria, die in Vechta weiter studieren will. Dazwischen immer wieder Gedanken und Wortspiele zum Wind, den sie so bisher in der Schweiz nicht erlebt habe. „Ich gehe mit  einer Tasche voller Windgedichte.“ Vechta sei ein einzigartiges Projekt gewesen, das sie jetzt zu Hause weiter literarisch verarbeiten werde. Im Herbst wird zu ihrer Zeit als Artist in Residence ein kleines Buch im Geest Verlag erscheinen.