Stefan Haschke hat Rolf Dieter Brinkmann in dessen Geburtsstadt wieder zum Leben erweckt.  Der Schauspieler führte das Publikum bei einer szenischen Lesung in die Welt des berühmten Vechtaer Schriftstellers, der in diesem Jahr 76 Jahre alt geworden wäre.  Das Publikum im Metropol-Theater war begeistert. So mancher wird Brinkmann nun besser verstehen: Was ihn dazu bewogen hat, Gedichte so zu schreiben, wie er sie geschrieben hat. Welche Gefühle ihn bewegten. Wie zerrissen seine Persönlichkeit war. 

Die Lesung „Geheime Briefe und Gedichte aus Vechta“ war in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. So wie Brinkmann selbst, der von 1940 bis 1975 lebte. Der sich in seiner Jugendzeit in die damalige Liebfrauenschülerin Gisela Reinholz verliebte, ihr Briefe und Gedichte schrieb und diese in das Mädcheninternat schmuggeln ließ. Gisela Korn, geborene  Reinholz, war bei der Lesung  in Vechta dabei. Ebenso Brinkmanns Witwe Maleen Brinkmann. Sie hörten, wie Professor Dr. Markus Fauser, Leiter der Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann an der Universität Vechta, unterhaltsam in die Lesung einführte und die Gedichte in den literaturwissenschaftlichen Kontext einordnete.

Es handelte sich dabei um Werke aus dem ersten Gedichtbuch Brinkmanns aus dem Jahre 1957. Eine Weltpremiere also, weshalb sich die Stadt ganz bewusst dafür entschieden hatte, mit dieser Lesung an den Schriftsteller zu erinnern. „Auch wenn das Gedenkjahr anlässlich Brinkmanns 75. Geburtstags und seines 40. Todestags bereits 2015 war. Aber diese Veranstaltung konnte erst in diesem Jahr stattfinden, weil wir gewartet haben, bis der Ankauf der Gedichte durch die Arbeitsstelle Brinkmann an der Universität Vechta, in Persona durch Herrn Professor Dr. Fauser vollzogen wurde“, erklärte Bürgermeister Helmut Gels. Er begrüßte die Gäste im Metropol ebenso wie der neue Universitäts-Präsident Professor Dr. Burghart Schmidt. Im Anschluss an Haschkes geniale Interpretation Brinkmanns wurde im Theater-Foyer noch eine Zeit lang über den Schriftsteller und seine Werke diskutiert.