Aaron (links) und Bernhard Konken (mitte) mit ihrer Patenfamilie (Ayman ist nicht im Bild) (Foto: Bindernagel, Stadt Vechta)

Ehrenamtliches Engagement

Vechtaer unterstützen Flüchtlinge: "Bester Onkel der Welt" hilft gerne

veröffentlicht: am 03.11.2017     Bildung, Soziales

Die Stadtverwaltiung unterstützt ehrenamtliche Flüchtlingshelfer: Bernhard Konken und sein Sohn Aaron kümmern sich um eine Familie.

Vor zwei Jahren flohen die Brüder Salam (27), Barakot (24) und Ayman (16) aus dem Irak nach Deutschland. Salam nahm seine Frau Nariman (22) und ihren damals einjährigen Sohn Sahran mit. Ein neues Land, eine unbekannte Kultur, eine fremde Sprache: Die Familie sah sich vielen Hürden gegenüber. Aber seit gut einem Jahr meistern sie diese besser, vor allem dank Bernhard Konken und Sohn Aaron (17) aus Vechta. Sie haben die Patenschaft für die Familie übernommen und helfen ihr, in Deutschland zurechtzukommen.

„Ich wollte aktiv etwas tun, anstatt nur zu reden und mich vor dem Fernseher über Pegida aufzuregen“, sagt Bernhard Konken. Er habe den vielen Flüchtlingen helfen und seine eigenen Vorurteile ihnen gegenüber abbauen wollen. 
Mittlerweile ist aus den anfänglich vorsichtigen Annäherungsversuchen ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis geworden. Im Alltag unterstützen Bernhard und Aaron Konken die Familie vor allem bei Behördengängen und in schulischen Fragen. Doch die Beziehung geht noch weiter:  Man habe bereits gemeinsam jesidische und christliche Feiertage begangen oder sich zum Grillen im Garten getroffen. Das Beste sei der Kartoffelsalat gewesen, ist sich die irakische Familie einig. Aber auch der Nudelsalat habe gut geschmeckt, lässt Nariman wissen. Aaron Konken und Barakot haben sich auch schon einmal zufällig in der Kneipe „Banane“ in Vechta getroffen und zusammen ein bisschen gefeiert.

Bernhard Konken sei „der beste Onkel der Welt“, sagt Ayman fröhlich und entschlossen. Abweichend vom deutschen Verständnis des Wortes „Onkel“, meint dies im Irak nicht zwangsläufig eine Verwandtschaftsbeziehung, sondern soll in diesem Fall Vertrauen und Respekt gegenüber seinem Familienpaten ausdrücken. Barakot stimmt ihm zu und beschreibt das Verhältnis zwischen seiner Familie und der Familie Konken einer Verwandtschaftsbeziehung ähnlich. Er sei sehr glücklich darüber und freue sich, dass Familie Konken ihnen mit Respekt begegnen. Man habe immer sehr viel Spaß zusammen - darüber sind sich alle einig.

„Helfen tut gut“, fasst Bernhard Konken zusammen und lächelt. Durch den Kontakt baue man seine Sorgen oder sogar Ängste im Umgang mit den Flüchtlingen ab und habe Gelegenheit, das irakische Kulturgut zu erleben und die jesidische Religion zu verstehen. Der 16-jährige Ayman sagt, dass auch seine Familie immer neugierig darauf sei, die deutsche Kultur mit ihren Traditionen kennenzulernen.  Dank der Familie Konken sei es viel einfacher, sich in Deutschland zurecht zu finden. „Es ist gut zu wissen, dass man jemanden hat, an den man sich bei Fragen und Problemen wenden kann“, sagt Ayman. Dabei sei ihnen aber sehr wichtig, Familie Konken nicht zu stören. Seine Familie wolle sich nicht aufdrängen und erledige viele Dinge mittlerweile selbst, wie beispielsweise Arztbesuche. Seinen Job in der Autowaschanlage hat sich Familienvater Salem selbst gesucht. Die Patenschaft sei eine Art Hilfe zur Selbstständigkeit, sagt Bernhard Konken, oft fungiere man als Bindeglied zwischen Behörde und Flüchtlingen.

Die irakische Familie ist ehrgeizig. Ayman möchte seinen Schulabschluss machen, Nariman und Barakot schließen demnächst einen Integrationskurs ab und wollen sich anschließend eine Arbeit suchen. Mit einem Teil des Geldes, das Salam in der Waschanlage verdient, unterstützt er auch seine Eltern und zwei weitere Geschwister, die derzeit noch in einem Flüchtlingslager in der Türkei leben.


Bernhard und Aaron Konken werden sie weiter unterstützen – sofern die Familie Unterstützung möchte.

Interview, Text und Foto: Sabrina Bindernagel

In Vechta gibt es viele Menschen, wie Bernhard und Aaron Konken, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Jeder, der sich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, ist dazu jederzeit herzlich eingeladen. Die Stadt Vechta und das Caritas-Sozialwerk suchen weiterhin Freiwillige, die insbesondere Patenschaften für Familien aus dem Flüchtlingswohnheim an der Grafenhorststraße übernehmen möchten. Ein Familienpate unterstützt im Alltag; zum Beispiel bei Behördengängen und Arztbesuchen.

Der Fachdienst Soziale Dienste, Senioren & Integration der Stadt Vechta informiert über ehrenamtliche Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe. Informationen gibt beispielsweise Constanze Aschern unter der Telefonnummer 04441 886517 oder per Mail an constanze.aschern(at)vechta.de.