Dr. Christian Vaske und Nils Holtmann sind die Gesichter des Modellprojektes „Televersorgung im Landkreis Vechta“. Foto: Josephine Dinkelbach / Pflegepioniere

Televersorgung im Landkreis Vechta

Ärmel hochkrempeln für die digitale Pflege

veröffentlicht: am 10.05.2021     Wirtschaft, Entwicklung

Dr. Christian Vaske und Nils Holtmann bringen mit einer Umfrage bei Patienten, Ärzten, Pflegern und Angehörigen das TELAV-Projekt voran.

Der Landkreis Vechta soll zum Leuchtturm der digitalen Pflege in Niedersachsen werden. Und die, die dafür sorgen sollen, sind Dr. Christian Vaske und Nils Holtmann. Sie sind die Gesichter eines Modellprojektes, mit dem erprobt werden soll, wie Pflegedienste, pflegende Angehörige und Ärzte bei der Versorgung älterer Menschen durch digitale Techniken optimal unterstützt werden können.

„TELAV – Televersorgung im Landkreis Vechta“ nennt sich das Projekt, das die Städte Vechta und Lohne ins Leben gerufen haben und für das sie bis 2023 mit 300.000 Euro vom Bundes-Heimatministerium gefördert werden. Im Januar war das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden, nun soll es richtig durchstarten.

„Ein offizieller Start heißt in der Praxis dann nicht immer, dass es gleich richtig losgehen kann“, sagt Vaske mit einem Lachen und beschreibt damit, dass die ersten Wochen im Projekt von Bürokratie geprägt waren, um das Projekt „auf die Schiene“ zu bringen. Viele Telefonate und Videokonferenzen mit dem Fördermittelgeber haben er und die Initiatoren des Projektes hinter sich. Sie haben sich mit den Tiefen des Förderbescheids und des Ausschreibungsrechts befasst, mit Kooperationspartnern telefoniert, Stellen ausgeschrieben und besetzt. Nun kann es endlich richtig losgehen kann.

Seit dem 1. Mai bringen Dr. Christian Vaske und Nils Holtmann das TELAV-Projekt inhaltlich voran. Die ersten Aufgaben: eine Projekthomepage zum Laufen bringen, gemeinsam mit der Uni Vechta eine Befragung bei Patienten, Ärzten, Pflegern und pflegenden Angehörigen durchführen und alle Akteure miteinander zu vernetzen.

„Wir haben den Anspruch praxisnah und am Bedarf orientiert zu arbeiten“, sagt Holtmann. Deshalb sei der Austausch so wichtig. Es gehe um ganz praktische Fragen: Welche Software ist die beste, um alle Beteiligte miteinander zu vernetzen, wenn die Beratung und Behandlung nicht mehr persönlich, sondern zum Beispiel per Video stattfindet? Wie ist die Akzeptanz solcher Fernhilfen bei allen Beteiligten? Funktioniert das auch technisch einwandfrei? Wer trägt die Kosten und wie erfolgt die Abrechnung? Was für Kompetenzen benötige ich überhaupt?

„Klar ist, dass die Pandemie der Digitalisierung einen starken Schub gegeben hat. Wir haben erlebt, wie Corona-Patienten auf Intensivstationen via Videotelefonie mit ihren Angehörigen Kontakt halten konnten. Webinare, Online-Konferenzen und Video-Besprechungen sind zum Alltag geworden. Das hilft uns natürlich sehr, um Telepflege und Telemedizin im Landkreis Vechta zu verankern“, stellt Dr. Christian Vaske fest.

Damit Televersorgung tatsächlich Teil der medizinischen Versorgung bei pflegebedürftigen Menschen werden kann, krempeln Vaske und sein Kollege Holtmann nun die Ärmel hoch. Mit der Umfrage, zahlreichen Gesprächen, Vernetzungstreffen und Workshops wollen die beiden konkrete Digitalisierungs-Projekte mit Patienten, Pflegediensten und Ärzten ausarbeiten, um sie in den kommenden Jahren zu testen. Das Ziel ist schließlich ein praxistaugliches Konzept, wie Televersorgung im Kreis Vechta funktioniert. Als Leuchtturm auch für andere Regionen.