Foto: Bothe

Es geht los

Bau des Inklusionshauses in Deindrup startet

veröffentlicht: am 04.03.2021     Baugrundstücke, Planen, Bauen

Das Inklusionshaus soll ein Ort der Begegnung werden und von der Dorfgemeinschaft für Veranstaltungen und Treffen genutzt werden.

In Deindrup haben nun die vorbereitenden Arbeiten für den Bau des Inklusionshauses begonnen. Damit startet nun die Umsetzung eines lange gehegten Vorhabens der Dorfgemeinschaft Spreda-Deindrup, der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Sonnenhof und der Stadt Vechta. Gefördert wird das Bauprojekt durch das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ARL) in Oldenburg im Rahmen der Dorferneuerung Spreda-Deindrup. 

Die Investitionskosten für das Gebäude in Höhe von circa 1,6 Millionen Euro tragen die Stadt Vechta mit 1,1 Millionen Euro und das ARL mit einem Zuwendungshöchstbetrag von 500.000 Euro. Für die Gestaltung der Außenanlagen, die in Form eines Sinnesgartens angelegt werden, wurde ein zweiter Förderantrag gestellt. Die Ausgaben werden sich auf circa 250.000 Euro belaufen. Das ARL wird den Sinnesgarten mit Fördermitteln in Höhe von rund 120.000 Euro aus dem Dorferneuerungsprogramm mitfinanzieren.

Den Fördermittelbescheid wollten die Niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast im vergangenen Oktober zusammen mit ARL-Vertretern offiziell an die Stadt Vechta und Vereinsvertreter übergeben. Aufgrund der Corona-Lage musste dieser Termin vorerst verschoben werden, der Zuwendungsbescheid wurde stattdessen am 14. Oktober 2020 per Post zugestellt. Auch in Hannover und Oldenburg freut man sich nun über den Baustart. „Was lange währt, wird endlich gut! Die Akteure rund um das Inklusionshaus waren bereits im Modellvorhaben meines Hauses ‚Inklusion - barrierefrei in das Dorf integriert‘ 2015 einer der Aktivposten“, sagt Ministerin Otte-Kinast. „Trotz Schwierigkeiten nicht aufgeben, sondern weitermachen – das ist einer der Erfolgsfaktoren der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner in Niedersachsen. Das wurde auch hier vorbildlich mit Herz, Hand und Verstand bewiesen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Projekt!"

Patricia Bonney, Dezernatsteilleiterin im Amt für regionale Landentwicklung, skizziert noch einmal den Werdegang: „Der fehlende Treffpunkt für die Dörfer Spreda und Deindrup war ein wichtiges Thema im Arbeitskreis der Dorfentwicklung. Im Laufe der Entwicklung der Ideen kam es zur Zusammenarbeit mit dem Sonnenhof und so zu der Erweiterung des zunächst geplanten Dorfgemeinschaftshauses zu einem Inklusionshaus, also zu einem Treffpunkt für alle Menschen“, erklärt Patricia Bonney und betont: „Die Entstehung der Idee aus der Bevölkerung heraus, deren intensive Beteiligung an der Entwicklung und Verwirklichung des Hauses und das Projekt selbst, ein Haus speziell unter dem Gedanken der Inklusion, verleihen dem hier entstehenden Inklusionshaus landesweite Bedeutung als ein herausragendes Beispiel für die Ziele einer Dorfentwicklung. Das ArL ist von diesem bemerkenswerten Engagement der Bevölkerung beeindruckt und hat aufgrund dessen keine Zweifel, dass das Projekt erfolgreich mit Leben gefüllt werden wird.“

Vechtas Bürgermeister Kristian Kater dankt dem ARL und dem Land Niedersachsen für die Unterstützung des Projekts. „Diese Förderung kommt genau an der richtigen Stelle an. In Deindrup und Spreda ist das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Handicap längst selbstverständlich. Der Sonnenhof ist ein wichtiger Teil des dörflichen Lebens“, erklärt Kater. „Mit dem Inklusionshaus wird diese Entwicklung noch einmal gestärkt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Idee und das Engagement für gelebte Inklusion aus der Bevölkerung heraus kommen und nicht von oben angeordnet worden sind. Das ist vorbildlich und ich hoffe, dass das Inklusionshaus Modellcharakter für unsere Gesellschaft erlangt.“

Das große Engagement aller Beteiligten hebt Langfördens Ortsbürgermeister Josef Kläne hervor. „Sie sind immer hartnäckig am Ball geblieben. Als ehemaliger Deindruper freue ich mich ganz besonders über den Baustart“, sagt er. „Vor allem die Verbindung zwischen Dorfgemeinschaft und Sonnenhof ist eine gute Sache. Dadurch werden die Aktivitäten des Sonnenhofs und das gemeinschaftliche Leben in den Dörfern gestärkt.“  

In Spreda und Deindrup ist die Freude über den Baustart riesengroß. Hartmut Kurzbach betont, dass das Inklusionshaus von Anfang an das wichtigste Projekt für die Dorferneuerung gewesen sei. „Das hatte höchste Priorität. Wir brauchten ein Haus für das Vereinsleben und für alle, die in unseren beiden Dörfern leben“, erklärt der Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung: „Wir wussten aber, dass es kein Sprint, sondern ein Marathon wird.“ Spätestens mit der Teilnahme an der Grünen Woche in Berlin 2016, als die Dorfgemeinschaft und der Sonnenhof das Vorhaben auf Einladung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium vorstellen durften, habe das Projekt richtig an Fahrt aufgenommen. „Dass es jetzt losgeht, ist die Krönung unserer ganzen Arbeit seit 2008. Es war ein hochemotionaler Moment, als die Bagger kamen“, sagt Kurzbach.

Reinhold Bothe pflichtet ihm bei: „Es war schon ein tolles Gefühl, als ich am letzten Wochenende die ersten bauvorbereitenden Baggerarbeiten beobachtet habe“, berichtet der Vorsitze des Dorfgemeinschafts-Vereins. „Unser großer Wunsch, gemeinsam mit dem Sonnenhof, eine Einrichtung zu schaffen, in der wir den schon seit Jahren gelebten Inklusionsgedanken weiter intensivieren können, geht jetzt in Erfüllung.“

Die Idee einer gemeinsamen Nutzung des Hauses vom Sonnenhof und dem Verein Dorfgemeinschaft Spreda-Deindrup wurde bereits im November 2008 von den beiden Parteien schriftlich formuliert. Die beiden Vereine haben sich früh zum Ziel gesetzt, die Inklusion weiter zu verbessern. Sie haben sich vertraglich dazu verpflichtet, als soziale und kulturelle Klammer zwischen Menschen mit und ohne Handicap und allen Menschen im Ort zu fungieren.

„Das Inklusionshaus soll ein Anlaufpunkt für alle Bürger aus Spreda und Deindrup werden. Treffen und Versammlungen für alle örtlichen Vereine und Gruppen werden hier möglich sein. Es wird Angebote und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, aber insbesondere auch für ältere Mitbürger geben“, erklärt Reinhold Bothe. Es sollen Spielnachmittage, Skat- und Doppelkopfturniere, Kicker- und Dartturniere für Jung und Alt veranstaltet werden – immer im Sinne des Inklusions-Gedanken. Ebenso sollen Lesungen, plattdeutsche Abende, Heimatabende mit Film und Diavorführungen und Public Viewing angeboten werden. Auch die „dörflichen Traditionen“, wie Bothe sie nennt, sollen gemeinsam gepflegt werden.

Der Sonnenhof möchte im Inklusionshaus zudem sein Mittagessen für externe Beschäftigte und Mitarbeiter des Sonnenhofes austeilen. „Es sollen auch Bewohner aus der Nachbarschaft die Möglichkeit erhalten, dort in einem gewissen Rahmen ein Mittagessen mit unseren Menschen mit Unterstützungsbedarf einzunehmen“, erklärt Franz-Josef Wilkens, Vorstand des Vereins Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Sonnenhof. „Auch wäre es denkbar, dass der Sonnenhof an einigen Tagen ein kleines Café dort betreibt.“

Im Obergeschoss wird der Sonnenhof zwei Räume für verschiedene Therapien nutzen. Im großen Versammlungsraum kann sich Wilkens Mitgliederversammlungen, Begegnungstage oder Treffen der Dorfgemeinschaft im Sinne des Inklusions-Gedanken vorstellen. „Wir sind sehr dankbar dafür, dass dieses Inklusionshaus gebaut wird und ein Begegnungsort für alle Bürgerinnen und Bürger in Kooperation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Sonnenhofes zu schaffen“, sagt Wilkens. „Durch die starke Weiterentwicklung des Sonnenhofes in den vergangenen Jahren sind wir voll in der Region etabliert und ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft Spreda-Deindrup. Mit diesem Inklusionshaus können die Inklusionsgedanken noch weiter verbessert werden, damit wir in ein paar Jahren sagen können, das Inklusionshaus war für alle Beteiligten ein Glücksfall.“

Das Inklusionshaus kann auch ein Anlaufpunkt für hinzugezogene Familien werden, die Kontakte zu Deindrupern und Spredaern knüpfen können. „Mit Blick auf die geplante Erweiterung der Deindruper Siedlung kommt der Baustart zur rechten Zeit“, sagt Bürgermeister Kater. In Deindrup sollen demnächst 35 Grundstücke an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden. Den Bebauungsplan hat der Rat der Stadt Vechta jüngst verabschiedet. Eine Bewerbung ist noch nicht möglich, das Verfahren und die Erschließung des Baugebiets werden aber bereits vorbereitet.

Auf den 370 Quadratmetern Nutzfläche des Inklusionshauses wird sich im Erdgeschoss ein Café mit einer Anlieferküche und Lagerräumen befinden sowie eine überdachte Sonnenterrasse. Der große, teilbare Versammlungsraum wird multimedial ausgestattet und kann vielfältig genutzt werden. Ein zentraler Aufzug ermöglicht den barrierefreien Zugang in das Obergeschoss, in dem sich Therapie- und Büroräume befinden. Über die separate Grundstückszufahrt gelangt man künftig auf den Parkplatz und direkt zum Haupteingang. Sämtliche Wege zu und um das Gebäude sind barrierefrei ausgeführt. Das Gebäude soll nach derzeitigem Planungsstand im Februar/März 2022 fertiggestellt werden.

Die Außenanlagen werden ebenfalls barrierefrei angelegt. Im Sinnesgarten werden zahlreiche Spielgeräte und Erlebniselemente aufgestellt, die speziell für Menschen mit Handicap ausgerichtet sind. Die Spielgeräte sind aber auch für Menschen ohne Handicap nutzbar. Das Besondere an dem Sinnesgarten: Natürlich die gemeinsame – inklusive – Nutzung.