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Museum Vechta

Fahl-Dreger als Museumsleiter verabschiedet

veröffentlicht: am 22.03.2018     Alle Themen

Axel Fahl-Dreger tritt seinen Ruhestand an. Zum Abschied vom Museum nach fast einem Vierteljahrhundert packte er symbolisch die Koffer.

Zur Verabschiedung aus dem Museum im Zeughaus packte Axel Fahl-Dreger einen Koffer. Behutsam legte er Gegenstände hinein, die er immer mit der Forschungs- und Museumsarbeit in Vechta verbinden wird. Der langjährige Museumsleiter überreichte den Koffer symbolisch an seinen Nachfolger Kai Jansen. An seine Wegbegleiter, darunter viele Förderer und ehrenamtliche Helfer, appellierte Fahl-Dreger: „Vergessen Sie Ihre Geschichte nicht! Tun Sie dies auch in dem Bewusstsein, dass Sie eine Verantwortung für die Geschichte haben, damit die Menschen nicht in Vergessenheit geraten.“

Mit der offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand endete für Fahl-Dreger fast ein Vierteljahrhundert „gewissenhafte, kreative und aufklärende Forschungs- und Museumsarbeit“ in Vechta, wie Bürgermeister Helmut Gels erklärte: „Dank dieser Arbeit und der Erforschung der Stadtgeschichte wissen viele Vechtaerinnen und Vechtaer sowie unsere Gäste heute sehr viel über die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten.“ Gels würdigte die großen Verdienste Fahl-Dregers um das Museum: „Von der Eröffnung im Jahr 1997 an haben Sie und Ihr Team es verstanden, die Menschen immer wieder einzubinden. Sie haben Menschen in Vechta und weit darüber hinaus mit vielen spannenden und ansprechenden Angeboten erreicht.“

Die beeindruckende Bilanz: In 21 Jahren sahen mehr als 700.000 Besucher über 100 Ausstellungen und nahmen an gut 1000 Veranstaltungen teil. Die Besucherzahl stieg auf mittlerweile 50.000 pro Jahr. Rund 3000 Schulgruppen machten beim museumspädagogischen Angebot mit. Das abwechslungsreiche Programm des Museums haben viele Ehrenamtliche gemeinsam mit Fahl-Dreger immer weiterentwickelt und gestaltet. Dazu gehören feste Veranstaltungen wie die Burgmannentage und der Stadtgarten ebenso wie das längerfristig angelegte Projekt Castrum Vechtense, die Rekonstruktion der mittelalterlichen Burg Vechta.

Mit akribischer Forschungsarbeit gewann Axel Fahl-Dreger auch viele Erkenntnisse über die Geschichte der Stadt und brachte etliche Publikationen darüber heraus. Christian Bitter, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Freunde des Museums im Zeughaus, formulierte es so: „Ohne Axel würden wir nur so ungefähr wissen, wie die Burg einmal ausgesehen hat und über die Zitadelle fast gar nichts.“ Beeindruckt hat ihn nachhaltig ein Moment mit Fahl-Dreger während der Ausgrabungsarbeiten der Burg Vechta, als ihm der Historiker erklärte, was er aus den Bodenbefunden ablesen konnte und welche Schlussfolgerungen der er daraus zog: „Axel war in seinem Element: ,Da hat eine Mauer gestanden. Von da haben die Diepholzer angegriffen. Da hinten stand der Bergfried. Das kann man doch sehen.‘ Ich stand vor einem Trümmerhaufen, und er sah die Geschichte vor seinem inneren Auge ablaufen“, berichtete Bitter.

Fahl-Dreger selbst beschrieb seine Philosophie so: „Museumsarbeit ist Akribie. Genauigkeit. Es ist der ständige Anspruch an sich selbst: Guck genau hin“, erklärte er. „Alles ist eine Momentaufnahme. Und die Aufgabe eines Historikers ist, die Geschichte neu zu schreiben, sie kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. Man muss auch unbequeme Wahrheiten ansprechen dürfen.“ Fahl-Dreger dankte Bürgermeister Helmut Gels stellvertretend dafür, dass Rat und Verwaltung diese kritische Auseinandersetzung immer ermöglicht und die Museums- und Forschungsarbeit unterstützt hätten. Diese hat viele bleibende Zeugnisse der Geschichte hervorgebracht. Mehr als 30.000 Gegenstände befänden sich im Fundus des Museums, erklärte Fahl-Dreger.

Seine Auswahl zum Kofferpacken umfasste neben anderen Dingen Reproduktionen des Alexander-Stoffes aus dem 8./9. Jahrhundert, einen mittelalterlichen Schreibgriffel und eine Kanonenkugel. Sie stehen aus Sicht von Fahl-Dreger symbolisch für die Auseinandersetzung mit der „faszinierenden Geschichte“, die Vechta besitze: Der Alexander-Stoff als Symbol für den Glauben, der nach wie vor das Fundament in Vechta bilde; der Griffel als Zeichen für einen Ort der geistigen Auseinandersetzung mit der Geschichte, welcher das Museum sei; die Kanonenkugel als Warnung vor kriegerischen Auseinandersetzungen.

Das alles legte Fahl-Dreger in einen Koffer mit den Initialen „E.G.“, gefunden auf dem Dachboden einer Synagoge in Hamburg. Jener Synagoge, in welcher der von den Nazis vertriebene, aus Vechta stammende Jude Emanuel Gerson in den letzten Lebenstagen Zeit verbracht habe, berichtete Fahl-Dreger. Auch dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte, die Entrechtung von Minderheiten, hatten er Jahr für Jahr thematisiert. Den Koffer mit den Gegenständen gab er weiter mit den Worten: „In meinem Herzen und in meinem Kopf bleiben diese Dinge erhalten.“