Sie werben gemeinsam für die Nachbarschaftsbörse: Hinten von links Helmut Themann (Selbstgestalter), Christoph Wichmann (Fachdienstleiter Stadt Vechta), Erste Stadträtin Sandra Sollmann, Sarah Bramlage (Selbstgestalter); vorne von links: Monika Kühling, Ludger Nieswitz und Gertrud Korf. Foto: Kläne

Ehrenamt

Lotsen vermitteln Hilfe „Rund um den Lattweg“

veröffentlicht: am 08.06.2018     Kinder, Jugend, Senioren

Gemeinsam mit mehr als 20 Helfern bieten sie eine Nachbarschaftsbörse mit Hilfeleistungen an, die das Leben im höheren Alter erleichtern.

Mit Menschen wie Monika Kühling, Getrud Korf, Ludger Nieswitz und Wolfgang Bilzer rücken die Bewohner rund um den Lattweg in Vechta enger zusammen. Die vier Lotsen engagieren sich für Seniorinnen und Senioren in ihrer Wohngegend. Gemeinsam mit mehr als 20 Helferinnen und Helfern bieten sie eine Nachbarschaftsbörse mit vielen kleinen Hilfeleistungen an, die das Leben im höheren Alter erleichtern können. „Leider trauen sich noch nicht alle Anwohner nach einer Hilfe zu fragen“, berichtet Gertrud Korf. „Viele engagierte Nachbarn warten daher noch auf ihren ersten Einsatz.“ Das Projekt haben die selbstgestALTER der Sozialstation Nordkreis Vechta und die Stadt Vechta ins Leben gerufen und die Lotsen entsprechend qualifiziert.

Damit die Nachbarschaftsbörse richtig in Schwung kommt, können sich Hilfesuchende und Helfer jederzeit an die Lotsen wenden. Sie vermitteln die Hilfeleistungen und bringen so Menschen zusammen. Aus diesem ehrenamtlichen Engagement heraus entwickelte sich bereits eine regelmäßige Begleitung zu Einkäufen in die Stadt, ein wöchentliches gemeinsames Kaffeetrinken, die Vermittlung einer Hundesitterin während eines Krankenhausaufenthaltes und Besuche einer alleinstehenden Person, wie die Lotsen berichten.

Anwohner können sich auch mit Fragen an sie wenden. Wie wird mein Zuhause barrierefrei? Wie komme ich auch ohne Auto zum Supermarkt? Wer gibt mir Rat bei Altersfragen? Wie kann ich mich mit dem Stadtbus in Vechta von A nach B bewegen? Dank der Lotsen kann man die Antwort direkt in der Nachbarschaft finden. „Es gibt freundliche Ansprechpartner, die es in die Hand nehmen können“, erklärt Sarah Bramlage von den selbgestALTERn.“

Vechtas Erste Stadträtin freut sich über die große Hilfsbereitschaft unter den Menschen rund um den Lattweg. „In kleineren Ortschaften wird Nachbarschaftshilfe oft schon von sich aus gelebt. Genau das geschieht jetzt auch hier“, sagt sie. „Ich hoffe, dass die vielen Menschen, die helfen wollen, auch helfen können. Das kann dann auch dazu führen, dass Menschen länger in ihrer Umgebung bleiben können.“ Genau darum geht es allen Beteiligten, wie auch selbstgestALTER Helmut Themann unterstreicht: „Unser Ziel ist, dass die Menschen lange zu Hause wohnen können. Dafür sind Kontakte wichtig, damit die Leute ein Auge aufeinander haben und niemand plötzlich ganz vergessen wird.“ Allerdings weiß auch er: „Es ist für viele schwieriger, Hilfe an-zunehmen, als Hilfe zu geben.“

Diese Erfahrung hat auch Lotse Ludger Nieswitz gemacht: „Viele sind es gewohnt, für eine Hilfe etwas zu geben“, sagt er. Außerdem befürchteten einige, dass sie immer ein Stück hilfebedürftiger werden, wenn sie etwas von ihrer Selbstständigkeit abgäben, erklärt Lotsin Monika Kühling. Doch wer etwas annehme, könne im Rahmen der Nachbarschaftsbörse an anderer Stelle wieder selbst helfen, betonen die Projektpartner: ein Geben und Nehmen.

Die „Lotsen im Quartier“ setzen sich auch für weitere Aktivitäten in ihrer Wohngegend ein. Wichtig sind ihnen zum Beispiel mehr seniorengerechte Sitzgelegenheiten, um geheingeschränkten Personen mehr Mobilität zu ermöglichen. Ihr Ziel ist es, das gesamte Gebiet rund um den Lattweg mit Bänken auszustatten. Diese sollen dann Teil einer barrierefreien Rollatorroute und entsprechend beschildert werden. „Wir erhoffen uns durch die kleinen Ruhe- und Treffpunkte mehr Aktivitäten und Kontakte in der Nachbarschaft“, erklärt Monika Kühling. Zwei Spender konnten die Lotsen dafür bereits begeistern. Weiterhin in Planung ist der Aufbau einer Bocciabahn. „Boccia, oder auch Boule genannt, kann von jedermann gespielt werden. Ziel ist es, mit den eigenen Kugeln möglichst nah an eine Zielkugel zu gelangen“, erklärt Ludger Nieswitz „Es ist sehr gesellig und man benötigt lediglich eine entsprechende Bahn.“ Viele Anwohner haben bereits ihr Interesse bekundet und die Planungen laufen auf Hochtouren. So ein Treffpunkt muss natürlich erst einmal finanziert und auch langfristig gepflegt werden. Dafür möchten sich Ludger Nieswitz und Wolfgang Bilzer einsetzen.

Das Engagement der Lotsen wird in der Umgebung schon positiv wahrgenommen, wie Gertrud Korf berichtet. Ein Mann habe alle vier angerufen und sich persönlich bedankt. Jetzt würden sich die Lotsen freuen, wenn das Angebot noch mehr in Anspruch genommen wird.

Info: Sie möchten das Projekt mit einer Spende unterstützen oder weitere Informationen erhalten? Dann wenden Sie sich gerne direkt an die Lotsen oder das Team selbstgestALTER unter 04445/986799902 oder schreiben Sie eine E-Mail an info@sstvechta-selbstgestalter.de.