Dank für die unermüdliche Arbeit: Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und Marktmeister Jens Siemer dankten Hildegard Bröring und Karl-Heinz Heidemann waren die Motoren des ehrenamtlichen Einsatzes. Foto: Fischer

Stoppelmarkt

Neue Betreiber für Alkoholfreies Zelt gesucht

veröffentlicht: am 19.05.2022     Bildung, Soziales

Die Stadt Vechta startet einen Aufruf an Ehrenamtliche. Ansonsten ist es das Ende einer mehr als 40 Jahre lange Institution.

Das Alkoholfreie Zelt war bisher eine feste Einrichtung auf dem Stoppelmarkt und bot immer eine willkommene Abwechslung und einen fixen Ruhepol im hektischen Kirmestrubel. Und das schon seit mehr als 40 Jahren. Hier konnten die Besucher dem Rummel für einen Moment entfliehen. Doch die traditionsreiche Einrichtung steht vor dem Aus. Sofern sich kein neuer Betreiber findet, wird der erste Stoppelmarkt nach der Pandemie auch der erste Stoppelmarkt seit mehr als 4 Jahrzehnten ohne diese feste Institution sein und damit um ein beliebtes Angebot ärmer.

Vor sechs Jahren feierten die ehrenamtlichen Betreiber noch den 40. Geburtstag dieses für ein Volksfest einmaligen Angebots und hatten allen Grund zur Freude – auch über einen Rekord-Überschuss von 11.000 Euro. Dieser wurde wie schon in den Jahren zuvor an soziale Einrichtungen gespendet.

Doch die Corona-Pandemie hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. „Die zwei Jahre waren sehr lang - zu lang. Wir fangen bei Null wieder an. Es ist unsagbar schwer, die Leute zum Mitmachen zu motivieren“, weiß Hildegard Bröring, die sich schon seit dem Start im Jahr 1977 im Alkoholfreien Zelt engagiert, zunächst als Bedienung und schließlich federführend in der ebenfalls ehrenamtlich tätigen Arbeitsgemeinschaft.

Schon seit längerer Zeit haben sich die Organisatoren um Nachwuchs bemüht, der sich in das Projekt einbringt, sei es in führender Position oder auch als fleißiger Helfer, berichtet Bröring. In der Vergangenheit seien mehrere hundert Kräfte im Einsatz gewesen, um die Schichten während des sechstägigen Volksfestes zu bewältigen. Doch mittlerweile stünden viele Stammkräfte aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung.

Der Personalbedarf beschränkt sich nicht nur auf die Öffnungszeiten. Ein Problem ist es auch, Nachtwachen für das Zelt zu finden. Das sei in jüngster Vergangenheit immer schwieriger geworden, berichtet Karl-Heinz Heidemann, der sich vor allem um die technischen Belange kümmert.

Aufgrund der Personalsorgen hat sich der achtköpfige Arbeitskreis vor wenigen Wochen zusammengesetzt und die Situation noch einmal eingehend bewertet. Dabei sind sie zu dem Entschluss gekommen, die Reißleine zu ziehen. „Ich finde es schade, dass wir aufgeben. Aber wir können das nicht mehr leisten und finden niemand, der sich verantwortlich einsetzen möchte“, bedauert Bröring.

Die Nachricht sorgt verständlicherweise auch im Rathaus für betrübliche Gesichter. „Das geht was verloren“, sagt Bürgermeister Kristian Kater. Er verweist auf die lange Tradition des Alkoholfreien Zeltes. Es sei eine tolle und einmalige Einrichtung des Stoppelmarktes. Es biete Menschen, die sich nicht in Partyzelten zuhause fühlten, die Möglichkeit, auch ohne laute Musik die Stoppelmarktatmosphäre zu genießen.

Marktmeister Jens Siemer weiß das großartige ehrenamtliche Engagement ebenfalls zu schätzen. Die Gründe der Verantwortlichen kann aber auch er nachvollziehen. Es sei schwierig, Personalplanung, Einkäufe, Aufbau und die vielen weiteren organisatorischen Aufgaben rund um einen Zeltbetrieb in ehrenamtlicher Form zu bewerkstelligen. „Das ist sehr viel Arbeit“, weiß er aus Erfahrung.

Die Stadtverwaltung dankte den Ehrenamtlichen für die geleistete Arbeit. Sie hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass das Angebot unter neuer Regie weitergeführt werden könnte und sich Interessierte im Rathaus, bei Marktmeister Jens Siemer, Telefon: 04441/886-1301, Email: jens.siemer(at)vechta.de, melden. Ihr Appell richtet sich an Vereine, Institutionen und sonstige Gruppen. Das Zelt wäre sicherlich auch für Jugendverbände eine gute Möglichkeit, gemeinsam etwas zu gestalten, sagt Kater.

Im Marktkonzept hat das Angebot einen festen Platz. Das Standgeld für das 300 Quadratmeter große Zelt wird den Betreibern erlassen, und an der Ausstattung mangelt es nicht. Die bisherige Arbeitsgemeinschaft würde ihr über Jahrzehnte angesammeltes Inventar mit Küchengeräten, Geschirr und sonstigem Zubehör zur Verfügung stellen und auch als Ratgeber fungieren.

„Ich würde sogar noch zwei oder drei Jahre weitermachen, wenn sich jemand findet, der Verantwortung übernimmt“, sagt Bröring abschließend.