Bürgermeister Helmut Gels (rechts) und der Ratsvorsitzende Josef Kläne gratulieren Schwester Regina Kuhlmann. Foto: Kokenge

Festakt im Rathaus

Schwester Regina Kuhlmann erhält Ehrenbürgerurkunde

veröffentlicht: am 02.06.2018     Alle Themen

In Sambia setzt sich die gebürtige Vechtaerin seit Jahrzehnten für notleidende Menschen ein. Den Kontakt in ihre alte Heimat erhält sie aufrecht.

Die Ordensschwester Regina Kuhlmann hat von Bürgermeister Helmut Gels die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Vechta erhalten. In einem emotionalen Festakt im Rathaus würdigte Gels vor 150 Gästen das beeindruckende Engagement der gebürtigen Oytherin für die Menschen in Sambia (Afrika). Dort setzt sich die 86-Jährige seit 1954 für notleidende Menschen, insbesondere Waisenkinder, ein. Sie hat zudem den Bau einer Schule gemanagt, die aus dem Nichts entstanden ist und vielen Kindern eine Perspektive auf eine bessere Zukunft verschafft. Gels sagte: „Schwester Regina ist in unserer modernen Zeit, in der oft nicht das Wir-Gefühl im Vordergrund steht, sondern viele eher an sich denken, beispielgebend: Sie lebt vor, wie erfül-lend es sein kann, wenn man sein Leben anderen verschreibt. Wenn man es denjenigen wid-met, die sich nicht selbst helfen können.“ Damit sei Schwester Regina ein großartiges Vorbild für die Menschen in Vechta und außerhalb der Stadt.

Der Stadtrat hatte den Beschluss, sie zur Ehrenbürgerin zu ernennen, in der Sitzung am 12. März gefasst. Schwester Regina kam nun persönlich für die Ehrung in ihre Heimatstadt. An der Feier nahm auch ihre Provinzialoberin Schwester Hilda teil, die dafür aus Sambia angereist war. Der Ratsvorsitzende begrüßte unter den 150 Gästen im Rathaus Weihbischof Wilfried Theising, Ehrenbürger Norbert Ostendorf, Frieda Hellbernd, die Witwe des verstorbenen Ehrenbürgers Franz Hellbernd, sowie Schwester Reginas Familie und Freunde sowie Vertreter aus Gesellschaft und Politik. Die Gruppe Folk‘n More begleitete den Festakt musikalisch.

Den Kontakt in ihre alte Heimat hat Schwester Regina, deren Elternhaus am Rande des Stoppelmarktes steht,  nie abreißen lassen. In regelmäßigen Abständen besucht sie ihre Familie und viele Spender in und um Vechta, die ihre segensreiche Arbeit finanziell und mit Sachmitteln unterstützen. Schwester Regina gehört seit mehr als 60 Jahren dem Orden der „Heilig Kreuz Schwestern“ mit Hauptsitz in der Schweiz an. Seit 1954 ist sie ununterbrochen in der Ent-wicklungshilfe in Afrika tätig. Seit 1962 lebt sie in Sambia, wo sie sich auf vielfältige Weise für die notleidenden Menschen eingesetzt hat und sich auch mit 86 Jahren unermüdlich vor-neweg geht.

Vor gut zehn Jahren betraute ihr Orden sie mit Bau einer Schule nahe der Hauptstadt Lusaka. Im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts heraus entstand dank Schwester Regina fachkompetenter Leitung eine Schule mit 30 Klassenzimmern, einem Labor und einer Kita für ins-gesamt mehr als 1000 Kinder. Sie kann genau erklären, welcher Zement mit welcher Mischung für Fundamente und Bodenplatten angerührt werden muss, wo die Steine von Form und Grö-ße her platziert werden müssen. Und wenn die Handwerker mal einfach nicht kommen, dann versiegelt sie selbst mit Kitt die Fenster, damit der Neubau pünktlich zum Schulbeginn fertig wird.

Zu der Schule nahe Lusaka gehen auch Waisenkinder aus ihrem Poverello-Projekt, das Schwester Regina seit 1988 führt. Darin ermöglicht sie den Kindern in Lusaka und in der 600 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Provinz Mongu den Schulbesuch. Die Kinder bekommen so die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Bürgermeister Helmut Gels sagte in seiner Festansprache: „Sie sind ein Vorbild für unsere heutige Gesellschaft und praktizieren das, worüber leider oft nur geredet wird. Sie setzen sich dort für die Menschen ein, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird, und leisten aktiv Hilfe zur Selbsthilfe.“ Nur auf diese Weise könne den notleidenden Menschen in ihren Ländern eine Perspektive dafür geben können, dass sie in ihrer Heimat bleiben und ihre Zukunft selbst aktiv mitgestalten könnten, sagte er: „Ihre Ernennung zur Ehrenbürgerin soll uns auch zum Nachdenken darüber bringen, was wir selber tun können, um anderen Menschen zu helfen. Ihre Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, sich über viele Jahrzehnte selbst treu zu blei-ben und unermüdlich dem Wohle anderer zu dienen, soll uns ein Vorbild sein.“

Die Stadt Vechta unterstützt die Arbeit von Schwester Regina derweil mit 5000 Euro. Als Symbol dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger Vechtas weitere Entwicklungsschritte beim Bau von Klassenzimmern und Einrichtungen, die den Menschen in Sambia dienen, mitgestal-ten, überreichte Gels der Ordensschwester einen Kalksandstein. Dieser ist mit der Jahreszahl 2018 versehen. Dem Jahr, in dem Schwester Regina Kuhlmann zur Ehrenbürgerin Vechtas ernannt worden ist.