Projekt "Schichtwechsel"

Spannender Blick hinter die Kulissen

veröffentlicht: am 30.09.2022     Bildung, Soziales

Bürgermeister Kristian Kater tauscht mit Johanna Mählmann aus der Manufaktur des Andreaswerkes für einen Tag den Job.

Nachtisch vorbereiten, Tische abräumen, Geschirr spülen, Essen ausgeben: Einen Promi-Bonus gab es für Vechtas Bürgermeister Kristian Kater in dem Café Manufaktur des Andreaswerks am Donnerstag nicht. Dafür aber das eine oder andere Kompliment. „Er schlägt sich gut“, lautete das Urteil einer Mitarbeiterin, während ihr Kollege nach einem neugierigen Blick in die Spülküche augenzwinkernd verkünden konnte: „Der Bürgermeister rockt den Abwasch!“


Angeregt durch seinen Werkstattrat beteiligte sich das Andreaswerk erstmals an dem Aktionstag „Schichtwechsel“, in dessen Rahmen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen für einen Tag den Arbeitsplatz tauschen. Sich öffnen, Vorurteile abbauen, einen Perspektivwechsel ermöglichen – diese Ziele des inzwischen fünften „Schichtwechsels“ hatte sich auch die Vorbereitungsgruppe des Vereins aus dem Landkreis Vechta auf die Fahnen geschrieben und damit bei den potentiellen Tauschpartnern offene Türen eingerannt. „Mit der Stadt Vechta und der Firma Pöppelmann verbindet uns seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Da lag es für uns nahe, für die ‚Schichtwechsel‘-Premiere zunächst dort anzufragen“, hieß es dazu während der mehrwöchigen Organisationsphase aus der Gruppe, bestehend aus Mitgliedern des Werkstattrats sowie Mitarbeitenden des Geschäftsbereiches Werkstatt.


Ebenso schnell wie die externen Teilnehmer, Bürgermeister Kristian Kater und Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch, waren die passenden Kandidatinnen aus dem Kreis der Werkstattbeschäftigten gefunden. „Ich war schon neugierig“, erinnerte sich Johanna Mählmann beim Abschlussgespräch in der Manufaktur an den Moment, als ihr der Job als Bürgermeisterin auf Zeit angeboten wurde. Den Tag selbst, ergänzte sie, habe sie dann einfach auf sich zukommen lassen. So wie ihre Kollegin Renate Asmus. Für die Beschäftigte aus der Dienstleistungsgruppe der Werkstatt Vechta standen als vorübergehende Chefin der Firma Pöppelmann unter anderem eine Besichtigung des Firmengeländes, das Gravieren einer Plakette, Gespräche mit den Mitarbeitenden und Marketingentscheidungen auf dem rund fünfstündigen Programm. Ein von ihr ausgewähltes Bild werde nun langfristig für Kampagnen eingesetzt, berichtete sie im Nachgang stolz. Und verriet auch, was sie besonders überrascht hatte: „Die große Anzahl an Maschinen in den Produktionshallen.“

 

Wie die Kunststoffartikel, die mithilfe einige dieser Maschinen entstehen, anschließend im Andreaswerk montiert werden, erfuhr derweil ihr Tauschpartner Matthias Lesch in der Dienstleistungsgruppe bzw. Industriemontage am Werkstattstandort Landwehrstraße. „Bislang kannte ich nur unser Ende der Produktionskette. Zu sehen, wie die Prozesse auf Seiten des Andreaswerks funktionieren, war für mich sehr interessant“, erläuterte der Pöppelmann-Geschäftsführer, der zusätzlich unter anderem als Bedienung am Kiosk und als Begleiter des Wäschetransports zur hauseigenen Wäscherei zum Einsatz kam. Beeindruckt habe ihn insbesondere die große Vielseitigkeit und die zahlreichen ineinandergreifenden Abläufe in der Werkstatt, fasste er abschließend zusammen.


Kristian Kater sah das nach seinem „spannenden Blick hinter die Kulissen“ ähnlich. „Als Gast am gedeckten Tisch bemerkt man nicht, wie viel Logistik eigentlich dahintersteckt“, erklärte er beim Austausch am Nachmittag. Es freue ihn, dass er diese Erfahrung habe machen dürfen und dass die Manufaktur so gut von der Bevölkerung angenommen werde. Dem „tollen Team“ des Cafés dankte der Bürgermeister in diesem Zusammenhang noch einmal für die herzliche Aufnahme. „Ich glaube, die Arbeit macht hier jedem Spaß“, zeigte er sich überzeugt.


Sichtlich Spaß machte seiner Tauschpartnerin Johanna Mählmann aber auch die Rolle als Bürgermeisterin. Sie habe einen Rundgang gemacht, eine spontane Rede im Saal gehalten, im Trauzimmer auf dem Sofa Platz genommen, bei der Modernisierung eines Spielplatzes mitentschieden und Urkunden gestempelt und unterschrieben, zählte das Stadtoberhaupt für einen Tag begeistert auf. Und schmunzelte mit Blick auf die von ihr unterzeichneten Urkunden: „Die Leute werden wahrscheinlich überrascht sein, dass da 'Bürgermeisterin' steht.“


Denn: „Es gab bisher noch keine Bürgermeisterin in Vechta, nur Bürgermeister. Ich war quasi die Erste“, betonte sie. Ob sie sich vorstellen könnte, den Job dauerhaft zu übernehmen? „Der Tag war super“, so ihr positives Fazit zum „Schichtwechsel 2022“. Doch für Johanna Mählmann stand mit Blick auf ihren gewohnten Arbeitsplatz in der Manufaktur des Andreaswerks auch fest: „Ich gehöre hierhin.“