Expertengruppe Jugendarbeit

Die Jugendarbeit soll stärker in den Mittelpunkt rücken, empfiehlt die Expertengruppe (von links): Tobias Hartmann, Sandra Sollmann, Martin Höffmann, Sebastian Ramnitz und Uwe Helmes. ©Gerecke

Jugendarbeit

Stadt Vechta stärkt die Jugendarbeit im Gulfhaus

veröffentlicht: am 13.06.2019     Kinder, Jugend, Senioren

Die Stadt Vechta wird zukünftig die Jugendarbeit wieder stärker und wahrnehmbarer in den Fokus stellen und dabei neue und innovative Wege gehen.

Die Stadt Vechta wird zukünftig die Jugendarbeit wieder stärker und wahrnehmbarer in den Fokus stellen und dabei neue und innovative Wege gehen. „Die Jugendarbeit hatte, hat und wird immer einen hohen Stellenwert in Vechta haben. Dennoch ist es notwendig, sich an die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen anzupassen“, betont Vechtas Bürgermeister Helmut Gels.

Die Kreisstadt setzt bei diesem Vorhaben die Handlungsempfehlungen einer Expertengruppe um, die die Gesellschafterversammlung der „Haus der Jugend GmbH“ im Dezember 2018 zur Aufarbeitung des Themas „Qualitätsmerkmale und –empfehlungen der kommunalen Jugendpflege in Vechta“ ins Leben gerufen hatte. Grundlage hierfür waren bereits bestehende Empfehlungen aus dem Jahr 2015, die von den kommunalen hauptamtlichen Jugendpflegern im Landkreis Vechta erarbeitet wurden. Mitglieder der Vechtaer Expertengruppe waren/sind neben dem Geschäftsführer der „Haus der Jugend GmbH“ und dem Stadtjugendpfleger, die Vorsitzenden der Ausschüsse für Jugend und Sport sowie für Familie Gesundheit und Soziales und Vertreter der Verwaltung der Stadt Vechta. Darüber hinaus wurde die Arbeitsgruppe von Kreisjugendpfleger Frank Lawicka und Uwe Helmes vom „Stellwerk Zukunft“ fachlich begleitet. Komplettiert wurde die Gruppe durch zwei Jugendliche aus dem Haus der Jugend. 

Anfang März 2019 fand unter der Moderation von Frau Dr. Kati Zenk eine Klausurtagung statt. Ein weiteres Treffen hat es Ende April im Gulfhaus Vechta gegeben. Die Expertengruppe hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die Personal-Stellenanteile für die soziale Arbeit im Haus der Jugend weiter auszubauen, um durch mehr Personal im pädagogischen Bereich das offene Angebot im Haus der Jugend intensivieren zu können. Dabei sollen auch freie Träger in die Arbeit im Haus mit eingebunden werden. „Die Vielfalt der mitwirkenden Parteien kann nur ein Vorteil für die Entwicklungen der Jugendarbeit in Vechta sein. Wir bauen ein Netzwerk auf, das gemeinsam neue, zukunfts- und zielorientiere Konzepte erarbeitet“, erläutern Tobias Hartmann, langjähriger Sozialpädagoge im Gulfhaus, und Sebastian Ramnitz, Vorsitzender des Sozialausschusses des Stadtrats (SPD).

Für die Jugendarbeit wird jährlich ein eigenes Budget bereitgestellt. Zusätzlich sollen die Jugendlichen aus dem Haus über ein eigenes Budget verfügen können, über welches sie nach demokratischen Grundsätzen selbst entscheiden dürfen. Uwe Helmes erklärt: „Für die Autonomie war das Konstrukt einer GmbH in der Vergangenheit notwendig. Heute ist es das nicht mehr. Stattdessen können wir ohne die GmbH zukünftig auch ohne Probleme durch Veranstaltungen eingenommenes Geld ansparen und für unser Zentrum nutzen.“ Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit in der pädagogischen Arbeit sind Grundvoraussetzungen und tragende Merkmale für die Arbeit im Haus und sollen fortan wieder mehr aktiviert werden. Die Autonomie der Einrichtung – die in Vechta im Übrigen eine lange Tradition hat – soll durch die Einbindung freier Träger und die finanzielle Ausstattung sichergestellt werden. Bürgermeister Gels unterstreicht: „Die Selbstbestimmung des Gulfhauses wird durch die Anbindung an die Stadt nicht eingeschränkt. Stattdessen wird es konkrete Vereinbarungen zwischen dem Jugendzentrum und der Stadt geben, die die Autonomie des Gulfhauses stärkt.“

Auch das Angebot an Projekten für Jugendliche soll ausgebaut werden. Eine intensive Vernetzung aller Beteiligten im Haus der Jugend mit den Vereinen, Verbänden, Organisationen der Jugendarbeit in der Stadt sowie eine Evaluation durch die Expertengruppe, die als Hilfestellung für die zukünftige Positionierung aufgelegt werden soll, garantieren gute Bedingungen. Die Erste Stadträtin der Stadt Vechta, Sandra Sollmann, verdeutlicht: „Unser Ziel ist es, durch ein vielfältiges Angebot alle soziokulturellen Schichten anzusprechen. Das wird uns gelingen, indem wir neue Stellen ausschreiben und facettenreiche Projekte entwickeln.“

Um den Fokus auch finanziell verstärkt auf die Jugendarbeit zu legen und um teure und unnötige Doppelstrukturen zu vermeiden, soll das Haus als Betrieb gewerblicher Art/ Zweckbetrieb in die Organisation der Stadtverwaltung eingegliedert werden. Durch dieses Organisationsmodell ist die Eigenständigkeit des Hauses der Jugend sichergestellt.

Hinsichtlich der Nutzung des Saalbetriebes im Gulfhaus soll zukünftig Folgendes gelten:

  • Jugendarbeit und Jugendkulturveranstaltungen haben Vorrang.
  • Traditionsveranstaltungen im kulturellen Bereich werden beibehalten.
  • Die Nutzung des Saales für weitere Kulturveranstaltungen ist möglich.
  •  Es erfolgt allerdings keine Vermietung mehr für Privatveranstaltungen.

„Durch die Privatveranstaltungen haben wir mit anderen Gastronomen konkurriert. Das dürfen und wollen wir zukünftig nicht mehr“, so Gels und CDU-Ratsherr Martin Höffmann. „Der Saal wird jedoch weiterhin für Vereine und privat organisierte Kulturveranstaltungen zur Verfügung stehen.“

Die Expertengruppe hat sich außerdem einstimmig dafür ausgesprochen, dass die GmbH liquidiert werden soll und die zukünftige Jugendarbeit in eine neue städtische Struktur als Betrieb gewerblicher Art/Zweckbetrieb eingebettet wird. „So wird das Geld, das vorher für die kaufmännischen Angelegenheiten der GmbH verwendet wurde, direkt in die Jugendarbeit investiert. Diese finanziellen Ressourcen sind notwendig, um die Jugendarbeit auszubauen“, erklärt Höffmann. Die Einbindung des Gulfhauses in die kommunalen Strukturen bringt weitere Vorteile mit sich. So betont Uwe Helmes: „Die Stadt Vechta wächst stetig. Durch eine Einbettung in die Kommune erhoffen wir uns, dass auch die Jugendarbeit an Größe und Stellenwert zunimmt. Jugendarbeit muss als eine kommunale Angelegenheit verstanden werden.“

Den Empfehlungen der Expertengruppe ist die Gesellschafterversammlung in ihrer Sitzung am 28.05.2019 vollumfänglich gefolgt. Nunmehr wird die „Haus der Jugend GmbH“ zum 31.12.2019 aufgelöst. Die dadurch freiwerdenden finanziellen Ressourcen fließen vollständig in die Kinder- und Jugendarbeit. Sandra Sollmann wird ab sofort neben Herrn Ludger Hausfeld zur weiteren Geschäftsführerin der aktuell noch tätigen „Haus der Jugend GmbH“ bestellt. Frau Sollmann ist berechtigt, die Gesellschaft alleine zu vertreten. Freie Träger sollen im Umfang von mindestens einer Vollzeitstelle zukünftig in die Arbeit im Haus der Jugend einbezogen werden. Zudem erhält das neue Haus der Jugend ein eigenes Budget zur intensiveren Verknüpfung der Jugendarbeit in der Stadt und zur Wahrung der Autonomie der Jugendarbeit im Haus der Jugend. Darüber hinaus sollen freie Träger - wie z. B. der Jugendkulturverein Oldenburger Münsterland e.V. - die in die Arbeit im Haus fest eingebunden werden. Bürgermeister Gels betont: „Mit der Umstrukturierung des Gulfhauses wird die Jugendarbeit zu einer hoheitlichen Aufgabe, der wir uns als Kommune annehmen. Deren Entwicklung und Gestaltung hat für uns oberste Priorität.“