Ein Gespräch über die Schulbezirke führten (von links) Ralf Schillmöller (Fachdienstleiter), Simone Göhner, Kristian Kater, Sandra Sollmann (Fachbereichsleiterin), Weihbischof Wilfried Theising, Prof. Dr. Franz Bölsker (Offizialat). Foto: Kläne

Schulbezirke

Stadt Vechta und Offizialat stellen Konzept vor

veröffentlicht: am 10.03.2020     Bildung, Soziales

Die Verwaltung legt der Politik einen Vorschlag für die Zukunft der Schullandschaft vor. Die Entscheidung darüber trifft der Stadtrat.

Ab dem Schuljahr 2021/22 sollen für alle Grundschulen in Vechta neue Einzugsbereiche eingeführt werden. Wie die neuen Grenzen der Schulbezirke verlaufen, entscheidet der Rat der Stadt Vechta voraussichtlich im Mai. Einen Vorschlag hat die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Gutachterbüro Kramer erarbeitet. Das Büro hatte den Auftrag erhalten, das Bevölkerungsgutachten für die Stadt Vechta im Hinblick auf die Grundschulentwicklung detailliert fortzuschreiben. Den aktuellen Stand der Planungen stellt die Stadtverwaltung den Eltern an zwei Informationsabenden am 16. März (Montag) und 18. März (Mittwoch) jeweils um 20.00 Uhr im Foyer des Rathauses Vechta vor.

Mit den neuen Schulbezirken wird festgelegt, welche Grundschulen künftig Kinder besuchen können, die ab dem Sommer 2020 angemeldet werden und ab 2021 zur Schule gehen. Dabei gilt: Kinder katholischen Glaubens haben immer die Möglichkeit, eine Grundschule katholischen Bekenntnisses zu besuchen, und Kinder evangelischen Glaubens können sich für die Martin-Luther-Schule entscheiden. Außerdem haben alle Eltern die Wahl, ihre Kinder an der nicht konfessionsgebundenen Christophorus-Schule anzumelden.

An der Planung hat die Stadtverwaltung neben der Politik viele weitere Akteure beteiligt: Bischöflich Münstersches Offizialat, Elternvertretungen, Grundschulleitungen, Universität, Landesschulbehörde, Niedersächsisches Kultusministerium.

Bei einem Pressegespräch im Rathaus lobte Weihbischof Wilfried Theising die Planungen: „Das Konzept der Stadt Vechta findet unsere ausdrückliche Zustimmung“, sagte er: „Zum einen bleibt auch nach der Einführung der neuen Schulbezirke jedem katholischen Grundschulkind das Recht eingeräumt, eine katholische Bekenntnisschule zu besuchen. Zum anderen begrüßen wir das Bestreben der Stadt Vechta, durch Einführung neuer Schulbezirke auch für die katholischen Bekenntnisgrundschulen eine bessere soziale und kulturelle Durchmischung der Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen der Stadt zu befördern. Nur so kann auch aus Sicht der Kirche die immer noch große Aufgabe der Integration gelingen und die Entstehung von Parallelgesellschaften verhindert werden.“  

Bürgermeister Kristian Kater dankte ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen und Ansprechpartner. „Wir möchten das bestmögliche Ergebnisse für die Kinder in unserer Stadt erreichen. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, mit allen Beteiligten zu sprechen.“

Die bisher geltenden Schulbezirke basieren auf einer Satzung aus dem Jahr 1999. Seitdem hat sich die Stadt Vechta in vielen Bereichen nachhaltig entwickelt: Die Bevölkerung ist stark angewachsen, neue Wohngebiete sind entstanden, die Anforderungen an die Grundschulen gestiegen. Dies machte eine Neubewertung der Grundschulsituation hinsichtlich einer Reihe von Aspekten erforderlich. „Besonders wichtig ist allen beteiligten Akteuren, die Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder sicherzustellen. Die Lernbedingungen müssen für alle Kinder gleich sein.“ Eine gute soziokulturelle Durchmischung der Klassen sei bei den Planungen ein Hauptziel.

Und: „Kurze und sichere Schulwege sind ein vorrangiges Thema bei den Planungen“, sagte Kater. Im Kramer-Gutachten sei darauf ein Hauptaugenmerk gelegt worden. In diesem Zusammenhang sei berücksichtigt worden, wo künftig potenzielle Wohnbauentwicklungen stattfänden. Die neuen Bezirke sollen auch ein Instrument zur Steuerung der Schülerströme sein. Sie sollen langfristig gelten und für Eltern eine verlässliche Größe sein.

Bürgermeister Kater betonte, dass bisher nichts entschieden sei. Eine Entscheidung über die Schulbezirke trifft der Rat. Darauf verwies auch die Schulausschussvorsitzende Simone Göhner. Das vorliegende Konzept sei ein Angebot der Verwaltung: „Jetzt beginnt der politische Prozess.“

Kater verwies zudem auf eine Elternbefragung. Diese hatte die Universität in Zusammenarbeit mit der Stadt Vechta kürzlich durchgeführt und dafür 1200 Briefe an Eltern künftiger Schulkinder verschickt. Ziel war es, die Mütter und Väter frühzeitig zu informieren und in den Planungsprozess einzubeziehen sowie ein Stimmungsbild zu erhalten, was ihnen wichtig ist. Die Auswertung läuft, die Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht.

Weitere Aspekte hatten in den Gesprächen, Untersuchungen und Planungen eine vorrangige Bedeutung:

Geschwisterkinderregelung: Es ist angedacht in einer neuen Schulbezirkssatzung eine Regelung für Geschwisterkinder aufzunehmen. Das bedeutet, dass Geschwister dieselbe Grundschule besuchen. Die genauen Ausgestaltungen werden im Satzungserlassverfahren festgelegt und von den politischen Gremien beschlossen.

Klassengrößen: Die Größe der Klassen sollen ausgewogen und lernfreundlich sein.  

Schulverbund Martin-Luther-Schule/Alexanderschule: Seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 arbeiten die Martin-Luther-Schule und die Alexanderschule im Rahmen eines Schulverbundes enger zusammen. Diese beiden Schulen teilen sich bereits seit Jahren einen Schulhof, eine Mensa und eine Sporthalle. Die Zusammenarbeit umfasste zu Beginn z.B. Arbeitsgemeinschaften oder Teile des Ganztagsbetriebes. Nach den Osterferien 2020 wird der gesamte Ganztagsbetrieb für alle Schüler/innen beider Schulen angeboten. Diese Nutzung von Synergieeffekten schafft Verbesserungen der Angebote für alle Kinder dieses Standorts.

Schülerbeförderung: Der Landkreis Vechta ist Träger der Schülerbeförderung. Schülerinnen und Schüler haben ab einer Entfernung von zwei Kilometern grundsätzlich einen Anspruch auf Beförderung. Der Beförderungsanspruch und die Art der Beförderung werden vom Landkreis Vechta individuell geprüft. Hier sind beispielsweise gemeinsame Busse für einzelne Siedlungen oder Taxifahrten möglich. 

Investitionen: Die Stadt Vechta investiert seit Jahrzehnten in die Modernisierung und Erweiterung der Schulstandorte. Mit der Festlegung neuer Schulbezirke gehen weitere Investitionen in den Ausbau der Schulen einher. Diese sollen aber angemessen und moderat ausfallen. Bestehende Strukturen sollen optimal genutzt werden. Das Mehrjahresprogramm sieht in Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe vor. Die Schulausschussvorsitzende Simone Göhner sagte: „Die sachliche Ausstattung der Schulen hat einen hohen Stellenwert. Und die Schulen sollen gleichmäßig gut ausgestattet sein.“