Amandine Colson, Restauratorin des Fachbüros denkmal3D, und Museumsleiter Kai Jansen begutachten ein vollständig erhaltenes Keramikgefäß aus der vorrömischen Eisenzeit, das als Urne zur Bestattung einer verstorbenen Person benutzt worden ist.

Museum Vechta

Zuwachs: Über 400 archäologische Funde

veröffentlicht: am 22.03.2021     Kultur, Veranstaltungen und Tickets

Im März wurden dem Museum Vechta durch das archäologische Fachbüro denkmal3D etwas mehr als 400 archäologische Fundstücke übergeben.

Diese kamen 2016 bei einer großen Rettungsgrabung im Vechtaer Baugebiet „Am Telbraker Esch“ zum Vorschein. Bei den Funden handelt es sich v. a. um Keramikreste, Steinartefakte, Schlackereste sowie Metall- und Knochenfragmente. Die Archäologen stießen bei ihren Untersuchungen seinerzeit auf Spuren von zahlreichen Speichergebäuden, die etwa zur Aufbewahrung von Getreide und anderen Nahrungsmitteln benutzt worden sind. Nachweise von zwei Brunnen und einem Rennfeuerofen, in dem Eisen verhüttet worden ist, zeigen, dass im Vechtaer Stadtteil Oythe vor mehr als 2.000 Jahren eine Siedlung bestanden hat. Etwas abseits der nachgewiesenen Speichergebäude lag der Friedhof der Siedlung. 22 Brandbestattungen waren um einen Kreisgraben herum angelegt. Die verbrannten Knochen der Verstorbenen waren zumeist in Urnen beigesetzt, also Keramikgefäßen, die mit einem Deckel verschlossen waren. Die Siedlungsreste und die freigelegten Bestattungen werden durch die geborgenen Funde in die vorrömische Eisenzeit und damit zwischen 750 vor Christus bis etwa zur Zeitenwende datiert.

Nach ihrer Reinigung und dem fachgerechten Verpacken gingen diese archäologischen Ausgrabungsfunde nun an die Stadt Vechta, die als Auftraggeberin der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen die Eigentümerin der Objekte ist. Nun finden die vielen Objekte, darunter eine Reihe von unversehrt erhaltenen Urnen aus Keramik, in der Sammlung des Museums Vechta ihr neues Zuhause. Dort werden sie unter optimalen Bedingungen in einem klimatisierten Depot aufbewahrt und stehen für zukünftige Forschungen und Ausstellungen zur Verfügung. Damit erfüllt das Museum mit dem „Bewahren“ eine seiner Kernaufgaben.

Bereits in Kürze wächst die Sammlung des Museums Vechta noch einmal um mehr als 100 archäologische Objekte an. Diese stammen aus zwei weiteren Ausgrabungsprojekten in Oythe in den Jahren 2018 und 2020, bei denen weitere Nachweise auf eine Siedlung der vorrömischen Kaiserzeit und auf eine mittelalterliche Hofstelle geführt werden konnten.