In Vechta wurde jetzt der 8. Jugendliteraturpreis vergeben. Er wird ausgeschrieben von der Stadt Vechta und dem Geest Verlag aus Visbek. Den ersten Preis gewann Helena Haselsteiner aus Wien mit ihrem Text „Marillen im Arkadenhof“. Platz 2 ging an Anna Hackstedt aus Vechta für ihren Beitrag „Eckhaus“ und der dritte Platz an Finn Mowitz aus Ganderkesee für seinen Text „Der gelbe Ziegelsteinweg“. Die weiteren Preisträger sind: Maria Buchtijarova aus Vechta, Anna Sipos aus Basel, Miriam Radlinger aus Augsburg, Laura Petretto aus Münster, Ben Niehuus aus Hamburg, Anna Marie Reischauer aus Braunschweig und Inken Hübner aus Berlin. Die regionalen Preisträger sind: Marta Brockmann mit ihrem Beitrag „Von der Vergänglichkeit der Realität“ und Carla Westendorf für „Mein Axiom“ beide aus Vechta.
Zur Preisverleihung im Rathaus konnten Verlagsleiter Alfred Büngen und Vechtas Bürgermeister Kristian Kater mehr als 150 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz begrüßen. Die musikalische Begleitung lag in den Händen von Amanda Wurm. Büngen sagte in seiner Begrüßung, dass das diesjährige Thema den jugendlichen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben sollte, ihre Verfasstheit zwischen dem Gestern und dem Morgen auszudrücken. Und das sei sehr gelungen.
Die jungen Menschen fanden dafür unterschiedliche literarische Formen. So verkörpere jeder Beitrag einen eigenen Stil, erklärte Büngen. Auffallend sei, dass der inhaltliche Grundzug der Zukunftsaussichten dabei mit wenigen Ausnahmen kein positiver sei. Skepsis und Zweifel würden dominieren. Zu sehr scheint den jungen Menschen die aktuelle Welt mit Krieg, Klimakatastrophe, sozialem Widerspruch und gesellschaftlichen Ansprüchen nicht akzeptabel. Es gibt nur wenige individuell zukunftssichere Antworten, zumeist dann, wenn die Vergangenheit ein Leben in Vertrauen ermöglichte. Deutlich werde jedoch, so Büngen, dass die jungen Autorinnen und Autoren die Erwachsenengeneration nicht ohne einen Vorwurf davonkommen lassen. Sie konstatierten vor allem die Privatisierung der Menschen in ihrem sozialen Empfinden, eine Kritik, die sie nicht nur an die Erwachsenen, sondern auch an die Gleichaltrigen richten. „Wir sind so gewöhnt an unseren angeborenen Wohlstand, an die Selbstverständlichkeit von Friedlichkeit in unserem Leben. Hat der Mensch sich schon immer so privatisiert und in seinem Mitgefühl isoliert?“ (Text von Emma van Beek).
In mehreren Beiträgen klinge zudem an, dass die Jugendlichen sich nicht gut damit fühlen. „Vielleicht, weil ich denke, dass meine Gründe nicht ausreichen, um mich schlecht zu fühlen. Aber nach einer erneuten depressiven Episode kann ich sagen, wenn man sich schlecht fühlt, dann fühlt man sich halt schlecht.“ (Text von Eleonora Sabet-Moghaddam). Andere verließen die Auseinandersetzung mit der realen Welt, indem sie ihre Geschichten in die Welt der Fantasy versetzten. „Ist die reale Welt, so muss die Frage angesichts vieler Beiträge gefragt werden, für junge Menschen überhaupt noch akzeptabel bzw. noch lohnend änderbar?", fragte Büngen in die Runde.
Die Vielfalt der Beiträge ließ laut Büngen keine allgemeinen Aussagen über Jugendliche und ihr Fühlen und Denken zu. Es gebe allerdings einen Pessimismus zu spüren und eine insgesamt zu beobachtende Aufgabenverpflichtung. „Wir dachten, wir hätten ewig Zeit“ (Text von Inken Hübner), wird unser aller Verpflichtung formuliert.
Vechtas Bürgermeister Kristian Kater sagte in seiner Begrüßung, dass der Vechtaer Jugendliteraturpreis längst mehr als ein Wettbewerb sei. “Er ist eine lebendige Kooperation zwischen der Stadt Vechta und dem Geest-Verlag in Visbek – und er ist zu einer viel beachteten literarischen Auszeichnung geworden, weit über unsere Region hinaus. Was hier vor mehr als acht Jahren begann, hat sich zu einem festen Ort für junge Literatur entwickelt”,so Kater. Er wies darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren fast 3500 junge Menschen an diesem Wettbewerb beteiligt hätten.
Auch 2025 waren wieder über 400 Texte aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Mexiko, Japan, USA, Australien und vielen weiteren Ländern eingereicht worden. „Allein dies zeigt: Hier entsteht ein literarisches Panorama junger Stimmen, das Grenzen überwindet – geografische wie gedankliche", so Kater weiter. Er dankte den Jurymitgliedern Olaf Bröcker, Alfred Büngen, Sybille Fritsch, Sigune Schnabel, Oliver Kausch, Miriam Bornewasser und Inge Witzlau, die mit großer Sorgfalt, mit literarischem Sachverstand und viel Engagement alle eingereichten Texte gelesen und bewertet hätten. An die jungen Autorinnen und Autoren gerichtet sagte Kater: „Sie zeigen mit Ihren Texten, dass Literatur kein Luxus ist. Sie ist ein Mittel der Selbstvergewisserung. Ein Mittel der Verständigung. Und vielleicht auch ein leiser, aber nachhaltiger Beitrag zur Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft“.
Abschließend dankte Alfred Büngen dem Kulturbereich der Stadt Vechta für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung bei der Durchführung des Projekts. Schon jetzt freue er sich auf den 9. Vechtaer Literaturpreis, dessen Thema „Und der Wind weht die Worte“ lautet. Ein poetisches, offenes Thema. Weitere Informationen dazu unter https://geest-verlag.de und www.vechta.de
