Überschwemmung nach Starkregen an der Ecke Taubenstraße / Oyther Straße im Jahr 2018. (Foto: Weißer)

Jetzt vorsorgen

Gefahrenkarte für Starkregenereignisse

veröffentlicht: am 11.01.2022     Baugrundstücke, Planen, Bauen

Unwetter - insbesondere Starkregen - haben in den vergangenen Jahren immer häufiger Überflutungen und Schäden verursacht.

Allein in Vechta wurden in den vergangenen Jahren mehr als 20 Starkregenereignisse registriert. Die oft trockenen Böden und die Kanalisation können die Wassermengen in diesen Fällen nicht mehr aufnehmen. Die Folge sind überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Schäden an Gebäuden und Geräten. Die Stadt Vechta erstellt derzeit eine Karte, die darstellt, wo Starkregenereignisse eine besondere Gefahr darstellen. Daraus sollen angesichts der sich ändernden klimatischen Bedingungen Schutzmaßnahmen für die Zukunft abgeleitet werden. Hausbesitzerinnen und -besitzer können aber schon jetzt vorsorgen.

„Eine Überflutungssicherheit kann es in der Siedlungsentwässerung nicht geben“, betont Bert Weißer, Leiter des Fachdienstes Stadtentwässerung. „Die bestehenden Entwässerungssysteme können nicht alle extremen Niederschlagsereignisse vollständig fassen und jederzeit sicher ableiten. Es ist keine Frage mehr, ob öffentliche Flächen oder gewerbliche Betriebsflächen und Betriebsgebäude von einem Starkregen- und Überflutungsereignis betroffen sein werden, sondern nur noch wann dieses der Fall sein wird.“

Weißer rät daher Vorsorge zu treffen. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), der auch die Stadt Vechta angehört, stellt eine kompakte Bürgerinformation bereit. Diese ist auch im Rathaus erhältlich. Darin wird erklärt, wie Hausbesitzer Eingänge und Lichtschächte sichern, Außenwände und Keller abdichten können. Ebenso gibt es Infos über die Regenwasserversickerung, Dachentwässerung bzw. Gründächer, finanzielle Absicherung und viele weitere Punkte. Abrufbar ist das gesamte Paket per QR-Codes mit dem eigenen Smartphone.

„Je mehr Hausbesitzer vorsorgen, desto besser ist es für alle“, sagt Bürgermeister Kristian Kater. Denn Starkregenvorsorge ist eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der die Einwohnerinnen und Einwohner ihren Beitrag leisten können.“ Die Stadt Vechta fördert künftig Regenwassernutzungsanlagen (Zisternen und Tanks) im Rahmen der vom Stadtrat beschlossenen Richtlinie über die Gewährung von Zuschüssen für Nachhaltiges Bauen. Die Anlage muss ein Mindestvolumen von 4000 Litern aufweisen und es müssen mindestens 100 Quadratmeter Dachfläche angeschlossen sein. In den Tanks oder Zisternen entsteht zusätzliches Speichervolumen. Das Wasser wird daraus nur langsam in den Kanal abgeleitet und entlastet diesen somit. Die Höhe der Förderung beträgt 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Die maximale Förderhöhe beträgt 1500 Euro pro Gebäude bzw. Grundstück. Unabhängig von dieser Richtlinie gewährt die Stadt Vechta unter bestimmten Voraussetzungen eine Reduzierung des Niederschlagswasserentgelts, wenn eine Dachbegrünung, Regenwassernutzungsanlage oder Versickerungsanlage nachgewiesen wird.  

Die Stadtentwässerung, das Wasserwerk, die Stadtplaner und Straßenbaulastträger sind ebenfalls gefordert, die Überflu­tungsgefahren bei Unwettern im Sinne einer Schadensbegrenzung und eines Risikomanagements, aber auch im Sinne einer wasser- und klimasensiblen Stadtentwicklung zu mindern. 

Aus einer Starkregen-Gefahrenkarte etwa kann eine Kommune verschiedene Maßnahmen ableiten. Bei Starkregen ist es zum Beispiel sinnvoll den Abfluss über Notabflusstrassen in einen Vorfluter einzuleiten oder in einem temporären Speicherraum zwischen zu speichern. Als Notabflusstrassen bietet es sich an vorhandene Straßen zu nutzen, die dazu geometrisch und entwässerungstechnisch häufig anzupassen sind. Diese Anpassung kann bei entsprechender Planung an erforderliche Sanierungsprojekten gekoppelt werden.

Um Überflutungen bei Starkregenereignissen abzufedern, ist die Vergrößerung von Regenwasserkanälen hilfreich. Dies geschieht bereits im Zuge von Straßensanierungen, größere Kanäle mit bis zu einem Meter Durchmesser wurden beispielsweise in der Oyther Straße, der Kolpingstraße und in den Straßen Tannenweg und Tannenhof verlegt. Auch der Bau neuer Kanal- und Grabensysteme, von Wehranlagen, Schutzwällen und -wänden im Hochwasserschutzprojekt der Stadt tragen dazu bei, das Wasser bei Starkregenereignissen besser abzuleiten.

Als Mitglied im Starkregen-Netzwerk Niedersachsen möchte sich die Stadt Vechta auch mit anderen Städten und Gemeinden austauschen und unterschiedliche Herangehensweisen kennenlernen. „Der Klimawandel ist Realität. Das haben wir auch in unserer Region in den vergangenen Jahren erlebt“, sagt Bürgermeister Kater. „Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen. Das geht nicht von heute auf Morgen, aber es gibt Mittel und Wege sich für die Zukunft auf Starkregenereignisse vorzubereiten und vor Schäden zu schützen. Wir stehen am Anfang und müssen das gemeinsam angehen.“