Hochwasserschutz und Renaturierung

Moorbach wird in seinen natürlichen Verlauf versetzt

veröffentlicht: am 24.03.2022     Baugrundstücke, Planen, Bauen

Die Arbeiten zwischen der Wassermühle und der Willohstraße haben begonnen. Der Bereich des Baches wird ökologisch aufgewertet.

Der Ausbau des Moorbaches zwischen der Wassermühle und der Willohstraße ist Teil des Hochwasserschutzprojektes der Stadt Vechta. Dieses wird seit 2017 mit verschiedenen Einzelprojekten umgesetzt, um bei Hochwasser einen möglichst schnellen Wasserabfluss zu gewährleisten und Schäden an Gebäuden und Straßen vermeiden zu können. In den vergangenen fünf Jahren sind daher neue Kanal- und Grabensysteme, Wehranlagen und Schutzwälle an mehreren Standorten geschaffen worden.

Die Pläne sind öffentlich mehrfach vorgestellt und vom Rat der Stadt Vechta beschlossen worden. Die Effektivität der Maßnahmen wurden von Ingenieurbüros errechnet. Eng an dem Projekt beteiligt wurden immer auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta sowie die für die heimischen Gewässer zuständige Hase-Wasser-Acht. Unter www.vechta.de/hochwasserschutz/ wird laufend über die Fortschritte des Projektes und geplante Vorhaben informiert. Zuletzt hat die OV am 9. Februar nach einer öffentlichen Bauausschusssitzung über das nun gestartete Projekt berichtet.

In der Vorbereitung darauf wurde öffentlich angekündigt, dass bedauerlicherweise viele Bäume im Uferbereich gefällt werden müssen, um das Projekt umsetzen zu können. Die Baumfällung und weitere Maßnahmen gehen mit einer baubiologischen Begleitung durch ein Fachbüro einher. Was hier konkret geschieht, ist eine Renaturierung dieses Bereichs des Moorbachs. Dieser verläuft bisher sehr geradlinig. Er wird nun ausgeweitet und in seinen natürlichen Verlauf versetzt. Durch die Ausweitung wird ein Überschwemmungsgebiet geschaffen, dessen Ausmaße vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) festgelegt werden. Um dieses schaffen zu können, mussten die Bäume weichen.

Es wird aber ein deutlicher Mehrwert geschaffen: Der Bereich des Moorbachs wird ökologisch aufgewertet. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei die Sohlgleite, die nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie geschaffen wird. Diese so genannte Fischtreppe macht den Moorbach für Fische und andere Wassertiere in beide Richtungen durchgängig. Die Tiere können Plätze mit guten Laich- und Nahrungsbedingungen erreichen und ruhige Orte für den Winteraufenthalt aufsuchen.

Die Fischtreppe beginnt neben der Wehranlage an der Wassermühle. Sie ist etwa 2,50 Meter breit und verläuft auf einer Länge von etwa 90 Metern nahezu parallel zum Moorbach. Dabei wird sie zweimal von dem Fußweg gekreuzt, der mit Hilfe von Stelzen neu gestaltet wird und somit einen Beitrag zur Naherholung leisten soll. Er ist bisher mehrere Monate im Jahr wegen Überschwemmungen nicht begehbar.

Diese ist ohnehin auch immer ein weiteres Ziel des Projektes: Für die Bürgerinnen und Bürger werden Bereiche geschaffen, die attraktiv sind, um sich dort aufzuhalten, eine Radtour oder einen Spaziergang dort entlang zu machen. Beispiele sind die Fuß- und Radwegeverbindungen zwischen Zitadelle und Hochzeitswald, die in den vergangenen Jahren im Zuge des Hochwasserschutzprojektes gebaut wurden. Aber auch der Bee-Park zwischen dem Alten Rathaus und der Mühlenstraße wurde wesentlich attraktiver gestaltet. Auch die Wegeverbindung zwischen Wassermühle und Willohstraße soll parkähnlich angelegt werden. 

Die Kosten für das Projekt betragen circa drei Millionen Euro. Davon werden rund eine Million Euro durch Bundes- und Landesmittel aus dem Fördertopf „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ abgedeckt. Das entspricht 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei guten Witterungsbedingungen könnte das Projekt im Frühjahr 2023 fertiggestellt werden.