75 Seiten voller Hinweise von Eltern präsentieren (vorne von links) Professor Dr. Karl Martin Born und Bürgermeister Kristian Kater, (2. Reihe von links) Anja Heckmann, Sandra Sollmann, Simone Göhner, (3. Reihe von links) Susanne Ahlers-Wübbeler, Christel Scharf, Stefan Thole, (4. Reihe von links) Hendrik Lammers und Thomas Stransky. Foto: Kläne

Befragung Sichere Schulwege

Eltern geben viele Hinweise - Maßnahmen geplant

veröffentlicht: am 15.10.2021     Bildung, Soziales

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben 191 Schulwege nachgezeichnet, 161 Fragebögen mit Hinweisen zu gefühlten Gefahrenpunkten wurden ausgewertet.

Die Ergebnisse der Online-Umfrage „Sichere Schulwege in Vechta“ liegen vor. Viele Eltern heutiger und künftiger Schulkinder hatten sich nach den Osterferien daran beteiligt und unter anderem Punkte im Verkehrsnetz markiert, die sie als gefährlich für ihre Kinder wahrnehmen. Geografie-Professor Dr. Karl Martin Born von der Uni Vechta stellte jetzt die Ergebnisse aus einem 75-seitigen Bericht öffentlich vor.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben 191 Schulwege nachgezeichnet, 161 Fragebögen mit Hinweisen zu gefühlten Gefahrenpunkten sind ausgewertet worden. Mit einer Beteiligung von gut 20 Prozent aller Grundschulhaushalte in Vechta sei die Umfrage als repräsentativ zu bewerten, sagte Professor Born.

Er hatte die Befragung in Zusammenarbeit mit der Stadt Vechta gestartet. Eltern konnten online den jeweiligen Schulweg in einer Stadtkarte mit wenigen Klicks nachzeichnen, Gefahrenstellen markieren und weitere Hinweise geben.

„Wir möchten uns bei allen teilnehmenden Eltern bedanken. Das Thema Schulwegsicherheit liegt uns sehr am Herzen. Dank vieler Antworten haben wir jetzt ein noch genaueres Bild davon erhalten, wo Gefahren wahrgenommen werden“, erklärt Bürgermeister Kristian Kater: „Jede Antwort ist uns wichtig. Unsere Fachleute nehmen alle gefühlten Gefahrenstellen unter die Lupe. Hier und da kann man auch ohne größeren Aufwand ein größeres Sicherheitsgefühl erzeugen.“

Zum Beispiel können Hecken zurückgeschnitten werden, um die Sicht an Straßenecken zu verbessern. Zusätzliche Schilder, rote Markierungen für Radfahrer, vieles sei schon umgesetzt worden, sagt Vechtas Erste Stadträtin Sandra Sollmann. Sie und Kater sprechen sich auch dafür aus, die Einrichtung eines „Walking Bus“ an jeder Schule zu prüfen. Das Prinzip sieht vor, Treffpunkte in der Nähe von Schulen zu schaffen, von denen aus die Kinder gemeinsam zu Fuß losgehen. Denn: Insbesondere in den Bereichen unmittelbar vor den Grundschulen sehen Eltern Gefahren. „Es gibt viele Hinweise darauf, dass Gefahren vom Verhalten der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer ausgehen. Hier geht es darum, sie aufzuklären und für gegenseitige Rücksichtnahme zu sensibilisieren“, sagt Professor Born. Die Antworten der Eltern in der Umfrage werden zudem dahingehend ausgewertet, ob Eltern ein Schulweg für ihre Kinder empfohlen werden kann, der sicherer ist als der bisherige.

Die verantwortlichen Fachdienste der Stadt Vechta und die Verkehrsunfallkommission, in der auch die Polizei und der Landkreis vertreten sind, haben die Schulwegsicherheit derweil stetig im Blick. „Die Ergebnisse der Umfrage decken sich in vielen Bereichen, die wir schon im Blick haben“, sagt Fachbereichsleiterin Christel Scharf von der Stadt Vechta. Es gebe aber keinen Unfallschwerpunkt auf Schulwegen in Vechta, betont Thomas Stransky, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Vechta: „Das soll natürlich auch so bleiben.“

Fachdienstleiter Stefan Thole, zuständig für die Untere Verkehrsbehörde im Rathaus, sagt auch deshalb: „Es ist ein ständiger Prozess, der zu einer höheren Verkehrssicherheit führt. Deshalb gibt es einen regelmäßigen Austausch innerhalb der Kommission, nicht nur wenn es Auffälligkeiten gibt.“

Verschiedene Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept der Stadt wie rot markierte Radfahrstreifen in der Innenstadt sowie Aufstellflächen für Radfahrer vor Ampeln haben die Situation in den vergangenen Jahren insgesamt, aber im Besonderen für Schulkinder verbessert. Weitere Projekte, bei denen auch die Ergebnisse der Umfrage berücksichtigt werden, sind bereits geplant. So ist am Knotenpunkt Bokerner Damm/Marschstraße/Rombergstraße (Atlas, Bus Wilmering) ein Kreisverkehr geplant, in dem Radfahrer sicher geführt werden.

Das Verkehrskonzept für den Bereich Oythe/Oyther Grundschule wird nach und nach umgesetzt: Die Radwegquerungen Telbraker Straße und Im Kühl wurden bereits rot markiert. Künftig soll die Straßenbeleuchtung im Kreuzungsbereich Oyther Straße/Telbraker Straße ergänzt werden. Wenn die Oyther Straße fertiggestellt worden ist, wird es zudem eine Verkehrsdatenerhebung geben, aus der weitere Vorschläge erarbeitet werden.

Bezüglich der Bushaltestelle Pariser Straße/Heinestraße nimmt die Stadt Vechta auf der Straße Stukenborg eine Verkehrszählung vor. Auf Grundlage dieser Datenerhebung und der Anzahl der Buskinder wird geprüft, ob eine so genannte Anforderungsampel in Höhe der Pariser Straße erforderlich ist. Voraussichtlich 2022 wird eine neue Bushaltestelle an der Pariser Straße errichtet, insofern die dafür beantragten Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.

Die Sicherheit soll auch im Kreisel Falkenrotter Straße/Theodor-Heuss-Straße/Petersburger Straße durch ein weiteres Sichtdreieck und ein Rechtsfahrgebot für Radfahrer verbessert werden. Auf der Allensteiner Straße soll die einseitige Radverkehrsspur durch Fahrradschutzstreifen an beiden Straßenseiten ersetzt werden.

Professor Born stellte die Umfrageergebnisse erstmals auch Vertreterinnen von Politik, Schulen und Elternschaft vor. Simone Göhner (Schulausschussvorsitzende im Stadtrat), Anja Heckmann (Vertreterin der Schulleitungen) und die Stadtelternratsvorsitzende Susanne Ahlers-Wübbeler begrüßten, dass die Studie erhoben wurde. Sie sprachen sich dafür aus, die Ergebnisse und mögliche Maßnahmen an jeder Schule zu diskutieren. Die Runde war sich darüber einig, das Thema Verkehrserziehung noch stärker in den Blick zu nehmen.

Gefahrenpunkte können der Stadt Vechta jederzeit gemeldet werden. In einer App (AEM: Anregungs- und Ereignismanagement) können Gefahrenpunkte mit dem eigenen Smartphone markiert werden. Die Stadtverwaltung erhält dann eine E-Mail und nimmt sich dem Anliegen an (Infos zur App HIER).