Besuch in der Martin-Luther-Schule: Schulleiterin Antje Nasch (rechts) zeigt Kristian Kater und Sandra Sollmann, wie die Vorgaben in den Klassen umgesetzt werden. Foto: Kläne

Neustart an den Grundschulen

Mit Fußspuren, Ampeln und Smileys gegen Corona

veröffentlicht: am 08.05.2020     Bildung, Soziales

Bürgermeister Kristian Kater und Erste Stadträtin Sandra Sollmann loben das Engagement von Schulleitungen und Lehrerschaft.

Seit Montag (4. Mai) besuchen die 4. Klassen wieder die acht Vechtaer Grundschulen. Den Neustart nach der Corona-bedingten Schließung haben die Schulleitungen und die Lehrerschaft mit teils hohem persönlichen Einsatz organisiert. Mit Erfolg, wie Antje Nasch, Leiterin der Alexanderschule und der Martin-Luther-Schule, berichtet: „Die Schüler setzen die Vorgaben um und nehmen es irgendwie auch mit Humor.“

Sie hat zusammen mit ihrer Tochter bunte Fußspuren ausgeschnitten und in den Gängen beider Schulen, die sich einen gemeinsamen Standort teilen, auf den Fußboden geklebt. Diese weisen den Schülerinnen und Schüler den Weg zum jeweiligen Klassenraum. Dort hat nun jedes Kind seinen Einzelplatz an einem Tisch, der normalerweise für zwei gedacht ist. Die Jacken liegen auf den freien Stühlen neben den Schülern, weil sie die Garderobe nicht nutzen dürfen. Abstand halten ist die Devise. Deshalb wurden die 4. Klassen geteilt und wechseln sich ab. Während die eine Hälfte in der Schule unterrichtet wird, lernt die andere zu Hause. Am Tag darauf ist es andersherum. „Unsere Lehrer haben die Gruppen eingeteilt und dabei auch nach Freundschaften geguckt“, erklärt Antje Nasch. 

Die Pausen (einmal 45 Minuten für jedes Kind) hat sie so koordiniert, dass die Kinder beider Schulen nicht gleichzeitig auf dem gemeinsamen Pausenhof spielen. Dort gehen sie auf Abstand, müssen auf Kontaktspiele verzichten, können aber Klettergerüste und Schaukeln nutzen. 

Die Treppenaufgänge hat Antje Nasch mit Smiley-Klebestreifen in zwei Hälften aufgeteilt. Die Kinder wissen, dass sie immer auf der rechten Seite die Treppe hinauf- oder hinuntergehen sollen. Kontakte sollen vermieden werden. Deshalb stehen die Türen zu den Klassenzimmern auch durchgehend offen, damit die Klinken nicht zu Virenherden werden, die alle mit den Händen berühren. Und auf den Toiletten gilt: Höchstens zwei Kinder dürfen einen WC-Raum gleichzeitig betreten. „Toilettenampeln“ an den Türen zeigen an, ob die Toilette besetzt ist. Den Kindern wurde erklärt, dass sie das Schild auf Grün bzw. Rot drehen sollen. Und daran haben sie vom ersten Tag an ihren Spaß.

„Mich freut das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, die die Corona-Regeln kreativ mit Leben füllen“, sagt Bürgermeister Kristian Kater bei einem Besuch der Martin-Luther-Schule. Er fordert aber auch, dass alle aus der Corona-Krise lernen: „Für die Zukunft brauchen wir nicht nur einen Hygieneplan, sondern auch Konzepte, wie das Lernen in einer Pandemie ablaufen muss.“

Auch die Erste Stadträtin Sandra Sollmann, als Fachbereichsleiterin für die Schulen in Trägerschaft der Stadt zuständig, lobt die gute Vorbereitung an den Grundschulen. In den vergangenen Wochen haben sie und die Mitarbeiter im städtischen Fachdienst Bildung den Einrichtungen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Hier gibt es einen regen Austausch über Vorgaben des Landes Niedersachsen und, wie diese umzusetzen sind.

Im Vordergrund steht dabei das Wohl der Schüler. „Für die Kinder ist es hart, dass sie nicht zur Schule dürfen“, sagt Sandra Sollmann. Bisher sind nur die vierten Klassen zurückgekehrt, die dritten Klassen folgen ab Montag (18. Mai). Für die Daheimbleibenden gibt es verpflichtendes Lernen zu Hause. Die Erste Stadträtin sieht daher in der Krise auch eine Probe für die digitalen Lernmöglichkeiten. Zukünftig soll das Lernportal IServ, das bereits allen Schulen zur Verfügung steht, verstärkt eingesetzt werden. In dem Portal können Unterrichtsmaterialien eingestellt und abgerufen werden – nicht nur in Corona-Zeiten ein effektives Netzwerk, auf das Lehrer wie Schüler zugreifen können.

Klassenlehrer und Schüler hätten sich über Videokonferenzen ausgetauscht, berichtet Antje Nasch: „So konnten sich alle auch mal wiedersehen.“ Doch nach wie vor seien nicht alle Haushalte auf dem digitalen Weg zu erreichen, nicht jede Familie habe beispielsweise eine E-Mailadresse. Deshalb beschloss Antje Nasch, Lernpakete zu packen, die Eltern an einer Ausgabestelle in der Schule mit Sicherheitsabstand abholen. Wenn die Kinder die Aufgaben erledigt haben, bringen sie diese zurück und nehmen das nächste Paket wieder mit.

Die Schulleiterin stellt trotz aller Schwierigkeiten eine hohe Bereitschaft bei allen Beteiligten fest: „Alle sind gewillt, und das klappt schon.“ So soll es bleiben, wenn in den kommenden Wochen auch die anderen Jahrgänge nach und nach zurückkehren.

Eltern und Schülern stellen sich viele Fragen vor dem Neustart: Die wichtigsten Hinweise im Überblick finden sie HIER