Straßennamen
Die politischen Gremien der Stadt Vechta haben im Jahr 2015 beschlossen, Straßennamenschilder im Stadtgebiet stufenweise mit Legendenschildern zu versehen. Die auf den Legendenschildern aufgebrachten kurzen Texte, z.B. über Persönlichkeiten, werden durch Langtexte, die Sie nachstehend auf dieser Internetseite finden, zudem umfassend erläutert. Das Aufrufen der Langtexte erfolgt an den Straßenschildern über QR-Code.
Die Recherche wurden von Axel Fahl-Dreger und ab 2024 von Eva-Maria Ameskamp vorgenommen; diese haben in enger Abstimmung mit Univ.-Prof. (em.) Dr. Wilfried Kürschner und der Stadt Vechta die nachfolgenden Texte erstellt.
In mehreren Straßen Vechtas wurden Stolpersteine gelegt, um auf die Verbrechen der NS-Zeit aufmerksam zu machen. Eine übersichtliche Karte gibt es hier.
Hagener Straße
Die Hagener Straße beginnt schräg gegenüber der Antoniusstraße an der Münsterstraße, von der sie westlich abzweigt. Sie macht dann einen leichten Bogen nach Süden und endet an der Lüscher Straße. Sie ist nach der ehemaligen eigenständigen großen Bauerschaft Hagen benennt, in die sie hineinführt.
Die Lage der Bauerschaft Hagen auf einem Geestsporn zeigt sehr gut die Topographische Karte Westfalen im Jahr 1805 von Le Coq.
Der Namensteil Hagen- gibt einen Hinweis auf das mögliche Alter dieses Stadtteils. (Siehe auch Straßenname Klingenhagen.)
„Hac“ oder „hages“ bezeichnet im Alt- und Mittelhochdeutschen eine Umzäunung, Einhegung, einen umfriedeten Ort, also einen von Menschen gestalteten oder zumindest kontrollierten Natur- und Siedlungsraum. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts im Rahmen territorialen Siedlungsausbaues taucht der Begriff „Hagen“ für Rodungsflächen auf, die von Grundherren/Adligen an Neusiedler vergeben werden. Als ältestes Zeugnis hierfür gilt der sogenannte Eschershauser Vertrag, den der Bischof Udo von Hildesheim (reg. 1079–1114) mit Kolonisten abschloss.
Der Auftrag zur Besiedlung eines zu erschließenden Landes erfolgte zumeist durch einen adligen oder geistlichen Landesherrn bzw. durch einen Grundherrn, einen „Lokator“, der hierfür vorher die landesherrliche Genehmigung einzuholen hatte. Allerdings wurden auch Dörfer ohne vorherige Erlaubnis an Lokatoren zur Urbarmachung ausgesetzt, oder Siedler handelten auf eigene Faust. Bezüglich der Aufgaben bei der Urbarmachung und Stellung in der neuen Siedlung ist es von Bedeutung, zwischen Stadtlokatoren und Dorflokatoren zu unterscheiden.
Lokatoren gehörten hauptsächlich dem niederen Adel oder der Schicht der Stadtbürger an. Sie waren Ritter oder Vasallen der Landesherren. Oft waren es auch Personen, die angesehenen Berufen nachgingen, wie Münzmeister oder königliche Dienstmänner. Zudem verfügten sie meist über hinreichend Erfahrung bzw. eine für die damalige Zeit gute Ausbildung.
Die Besiedlung solcher „Hagen“ – in Vechta gibt es mit dem Klingenhagen insgesamt zwei Nennungen – könnte also von sogenannten Lokatoren betrieben worden sein. Ein Beleg hierfür könnte auch die Landwehr am Marienhain sein. Als „Landhag“ („Landwehr, Landheege“) bezeichnet man Heckenanlagen als Sperrwerke oder Grenzbefestigungen.
Die rechtliche Grundlage für die Entstehung einer neuen Siedlung bildete der Lokationsvertrag (lat. „locatio“). Dieser wurde entweder direkt zwischen dem Landesherrn und dem beauftragten Lokator geschlossen oder zwischen Grundherr und Lokator. Im Lokationsvertrag wurden die vorher mit dem Landesherrn abgesprochenen Lokationsprivilegien sowie die Zehntregelungen u. Ä. festgehalten. Vertraglich wurde somit der Rechts- und Organisationswechsel (bei den deutschen Ostsiedlungen der Wechsel vom polnischen zum deutschen Recht), Vergünstigungen für Lokator und Siedler sowie Pflichten und steuerliche Abgaben geregelt. Hierzu gehörte auch die Vorgabe, die Felder gegen Überschwemmungen oder andere Natureinflüsse zu sichern oder die Siedlung z. B. durch das Ausheben eines Grabens gegen Feinde zu schützen. Der Lokationsvertrag hatte für Siedler und Lokator somit eine verpflichtende Wirkung gegenüber dem Grundherrn, bildete aber auch eine gesetzliche Grundlage, die rechtliche Sicherheit für die Siedlung und ihrer Bewohner bedeutete. Oftmals beinhaltete die „locatio“ auch Strafklauseln, die im Falle einer gescheiterten Besiedlung den Entzug der Privilegien und eine Geldstrafe für den Lokator nach sich zogen.
In der Literatur sind nur wenige kleine Ortschaften bekannt, die in früheren Zeiten über einen Hag verfügten. Er bestand aus einem Graben mit Holzzaun bzw. einem Erdwall mit Holzzaun und umschloss die Ortschaft vollständig. Es gab zwei Öffnungen, das Obere Tor und das Untere Tor. Von einem Nachtwächter wurden die beiden Tore morgens um 6 Uhr geöffnet und abends um 10 Uhr geschlossen. Sowohl die Höfe als auch die anschließenden Hausgärten sind durch den Hagen geschützt.
Hagen ist der flächenmäßig größte Stadtteil von Vechta mit derzeit ungefähr 6.500 Einwohnern. Er reicht von der Driverstraße bis zur südlichen Stadtgrenze Vechtas und ist in die Bezirke Hagen I und Hagen II aufgeteilt. Die Grenzen bilden die Gewässer in diesem Teil des Stadtgebietes.
Zu Hagen I gehören diejenigen Gebiete, in denen Abwasser aus Kleinkläranlagen in den Blomlager Bach, den Bokerner Bach, den Brandkanal, den Darener Bach, den Fladderkanal, den Hagener Bach und den Krimpenforter Mühlenbach geleitet wird. Aus Hagen II wird Abwasser in die Dadau, den Vechtaer Moorbach und den Vechtaer Moorgraben geleitet.
In Hagen liegen die meisten Bildungsstätten der Stadt Vechta. An der Driverstraße befand sich das Schulzentrum Vechta-Süd mit der Grundschule Liobaschule, der Hauptschule Vechta und der Geschwister-Scholl-Realschule Vechta. Die Liobaschule wurde 2020 geschlossen, die Haupt- und Realschule bilden jetzt die Geschwister-Scholl-Oberschule.
Zudem befinden sich am Südausgang der Stadt an der Landwehrstraße die berufsbildenden Schulen Marienhain sowie die Grundschule Hagen an der Straße Auf dem Hagen. Die größte Bildungseinrichtung in Hagen stellt die Universität Vechta an der Universitätsstraße dar.
Literatur:
Karl Ludwig von Le Coq: Topographische Karte Westfalen 1805. Repr. Münster 1967
https://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_(Vechta), aufgerufen am 2.12.2024, 17.25 Uhr