Seit 30 Jahren besteht das Aphasie-Zentrum Josef Bergmann in Langförden. Und nach wie vor gibt es bundesweit kein Reha-Zentrum mit einem vergleichbaren Therapieangebot. Darauf wiesen Geschäftsführerin Kathrin Billo und Vechtas Bürgermeister Kristian Kater bei einer Fachtagung des Aphasie-Zentrums anlässlich seines Jubiläums im Rathaus hin.
Beide hoben das unermüdliche, selbstlose Engagement der Gründerin Maria Bergmann hervor. Die private Stifterin und Initiatorin setzte sich nach dem Tod ihres Ehemanns für die Unterstützung der Rehabilitation von Aphasikern ein. Angeregt durch das persönliche Schicksal ihres Mannes, der nach einem Schlaganfall selbst von Aphasie betroffen war, entwickelte Maria Bergmann die Idee, eine spezielle Einrichtung für Menschen mit Aphasie zu schaffen: das Aphasie-Zentrum.
„Es ist ihr Lebenswerk“, betonte Kathrin Billo. Maria Bergmann schaue nach wie vor regelmäßig in der Einrichtung vorbei. Bürgermeister Kater sagte: „Ihr Engagement ist äußerst bemerkenswert. Ich bin froh und stolz, dass wir Menschen bei uns haben, die so tatkräftig und mutig sind. Maria Bergmann hat dadurch vielen Menschen geholfen und neue Hoffnung gegeben.“
Das Therapieangebot im Aphasie-Zentrum ist speziell auf Menschen ausgerichtet, die nach einer Hirnschädigung an Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie kognitiven und motorischen Störungen leiden. „Es ist nach wie vor einzigartig“, erklärte Geschäftsführerin Kathrin Billo: „Menschen mit einer Aphasie und Hirnschädigung brauchen eine besondere Versorgung.“ Alles sei darauf ausgerichtet, den betroffenen Menschen „mit der bestmöglichen Reha zu einer bestmöglichen Teilhabe am Leben zu verhelfen“.
Patientinnen und Patienten aus aller Welt suchen deshalb das Reha-Zentrum in Langförden auf, um mit Hilfe einer speziellen Form der Intensiv-Therapie den Weg zurück ins soziale und Berufsleben zu finden. Inzwischen hat sich das Zentrum so weit entwickelt, dass auch unfallchirurgische und orthopädische Unfallfolgen in der Behandlungsform therapiert werden.
Mit sehr bewegenden Worten beschrieb Susanne Bergmann, Tochter von Maria Bergmann, wie aus dem persönlichen Schicksal der Familie heraus das Aphasie-Zentrum entstand. Ihre Mutter habe es sehr berührt, dass betroffenen Menschen damals nicht wirksam geholfen werden konnte. Sie sei stolz auf ihre Mutter und alle, die sich im Aphasie-Zentrum um diese Menschen kümmerten, sagte Susanne Bergmann und betonte: „Es ist ein Privileg, anderen Menschen zu helfen.“
Infos zur Einrichtung (Quelle www.aphasie-zentrum.de):
Die Aphasie- und Seniorenzentrum Josef Bergmann gGmbH ist ein Reha-Zentrum für neurologische Intensiv-Therapie für Menschen, die nach einer erworbenen Hirnschädigung an Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie kognitiven und motorischen Störungen leiden. Zu den Heilbehandlungsangeboten gehören Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie sowie Neuropsychologie, Psychologie und Ernährungsberatung.
Das Aphasie-Zentrum bietet die Möglichkeiten der ambulanten therapeutischen Versorgung sowie vor allem das spezielle Angebot stationärer vierwöchiger wissenschaftlich belegter Intensiv-Therapien. Das Aphasie-Zentrum ist als vollstationäre Pflegeeinrichtung anerkannt und bietet alle Formen der Kurzzeit-, Verhinderungs- und Langzeitpflege sowie Tagespflege an.
Das Aphasie-Zentrum ermöglicht es auf eine moderne und intensive Weise den Körper und Geist zu trainieren. Durch das große Anwendungsspektrum der einzelnen Therapiebereiche, wird eine Vielzahl von Menschen angesprochen, die aufgrund einer Erkrankung, Unfälle oder Schädigung des Gehirns in ihrem eigenständigen Handeln im Alltag eingeschränkt sind.
Die einzelnen spezialisierten Therapie-Fachbereiche sowie der medizinisch-pflegerische Bereich arbeiten eng zusammen. Gemeinsam mit dem Betroffenen wird ein individueller Plan erarbeitet, um die Menschen in Ihren Alltag, wie im Haushalt, im Bereich der Selbstversorgung, im Beruf, der Einnahme der verschiedenen Rollen und Fortbewegung zu unterstützen und zu fördern und ihnen somit die größtmögliche Selbstständigkeit zurückzugeben. Dieser Weg kann bis hin zur beruflichen Wiedereingliederung begleitet werden.
Neben dem Rehabereich ist das Aphasie-Zentrum auch ein Standort für innovative Forschungsansätze im Bereich neuer Therapieansätze. Neu ist neben der wissenschaftlich belegten Intensiv-Therapie, der ausgewogenen Kombination in der Rehabilitation zwischen geistigen, kommunikativen und den motorischen Leistungen, auch eine Erweiterung der robot-gestützten Therapie mit einer neuen Abteilung für Arm-, Hand- und Gangrehabilitation. Zudem kommen neueste Erkenntnisse im Bereich Logopädie durch eine Kombination der Therapie mit Gleichstrombehandlung zur Steigerung der Effektivität zum Einsatz.
Insgesamt stehen im Aphasie-Zentrum 21 Plätze für die Intensiv-Therapie zur Verfügung. Die Pflegeinrichtung hat eine Aufnahmekapazität von 55 Plätzen. Die Tagespflege ergänzt das Angebot und umfasst 12 Plätze.
