Hochwasserschutz

Die Stadt Vechta setzt ein umfangreiches Hochwasserschutzprojekt um. Seit 2017 sind neue Kanal- und Grabensysteme, Wehranlagen, ein Schutzwall und eine Schutzwand gebaut worden. Insgesamt sind es vier innerstädtische Projekte. Abschließend sollen vor den Toren der Stadt zudem zwei Rückhaltebecken entstehen. Die Einzelprojekte sollen zusammen wirken und Hochwasser in der Stadt verhindern.

Das Gesamtprojekt wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN-Direktion Oldenburg) mit Bundes- und Landesmitteln aus der Gemeinschaftsausgabe (GA) „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ mit einer Förderung von 70 Prozent unterstützt – bei geplanten Gesamtkosten von ca. 10,8 Millionen Euro (Stand heute) mehr als 7,5 Millionen Euro.

Positive Nebeneffekte des Projekts: Die Gewässer werden auch aus ökologischer Sicht aufgewertet, es sind neue attraktive Radwege entstanden, ein Spielplatz wurde erneuert, ein Park attraktiver gestaltet. Auch diese Maßnahmen werden zum Teil vom NLWKN gefördert.

 

Übersicht über bereits abgeschlossene und noch geplante Projekte

 

Zitadellengraben wird an Moorbach angeschlossen (fertig)

Anfang 2017 beginnen im Bereich der Theodor-Heuss-Straße die Bauarbeiten: In einem ersten Schritt wird der Zitadellengraben an den Vechtaer Marschgraben angeschlossen, der westlich des Klärwerks in den Moorbach einmündet. Dafür wird zunächst ein neues Grabensystem zwischen der Theodor-Heuss-Straße und der Vechtaer Marsch hergestellt. Daran entlang legt die Stadt attraktive Radwege an, es entstehen attraktive Verbindungen zwischen Zitadellenpark und Hochzeitswald, die in der Folge von vielen Radfahrern genutzt werden.

Im Bereich des Spielplatzes an der Theodor-Heuss-Straße setzen Bauarbeiter im März 2017 mannshohe Betonelemente zu einem Kanal zusammen. Auf einer Länge von 110 Metern werden 55 der Beton-Rahmenprofile mit Hilfe eines Krans verlegt. Vier bis fünf Tage dauern die Arbeiten.

Der Kanal verläuft danach unterhalb des Spielplatzes, den die Stadt Vechta nach Abschluss der Arbeiten neu aufbaut. Durch den neuen Kanal wird der Zitadellengraben mit dem neuen Grabensystem auf der anderen Seite der Theodor-Heuss-Straße verbunden. Dieses wird an den Vechtaer Marschgraben angeschlossen, der westlich des Klärwerks in den Moorbach einmündet.

Im Hochwasserfall kann der Wasserspiegel in der Zitadelle nun dank dieser Maßnahme deutlich abgesenkt werden. Das Wasser aus den in den Zitadellengraben einmündenden Regenwasserkanälen kann frei durch das neue Graben- und Kanalsystem auslaufen. Im Bereich des Vechtaer Marschgrabens werden zusätzlich 100.000 Kubikmeter Stauraum geschaffen, wodurch auch der Unterlauf des Moorbaches entlastet wird. So wird die Überflutungsgefahr für die Innenstadt insgesamt, speziell aber für die Bereiche westlich der Kolpingstraße und südlich der Falkenrotter Straße erheblich entschärft.

Die Kosten für den Bau des neuen Graben- und Kanalsystems liegen bei rund 1,1 Millionen Euro. Das NLWKN mit Sitz in Oldenburg übernimmt 70 Prozent der Kosten: 764.600 Euro. Im Juni 2017 enden die Arbeiten mit der Freigabe der Vechtaer Marsch und der Theodor-Heuss-Straße, die zeitweise gesperrt werden müssen.

Wehranlage zwischen Zitadelle und Moorbach (fertig)

Anschließend beginnt der Bau einer Wehranlage zwischen dem Zitadellengraben und dem Moorbach im Bereich der Atlasstraße. Als sie fertig ist, macht sie sich zum Jahreswechsel 2017/18 sofort bezahlt. Der Pegelstand des Moorbaches steigt nach starken Regenfällen, ein Mitarbeiter der Stadt fährt das Wehr – noch per Handbetrieb – herunter. Dies verhindert, dass zusätzliche Wassermengen in den Zitadellengraben gelangen, sich dort stauen und die Pegelstände zusätzlich ansteigen. Das Wasser kann auf zwei Wegen aus dem Stadtgebiet abfließen, im Moorbach und – aus dem Zitadellengraben – im neuen Kanal- und Grabensystem in Richtung Marschgraben. Diese Möglichkeit der Steuerung war mit dem Bau des Wehrs bezweckt worden. Die Kosten in Höhe von circa 180.000 Euro werden ebenfalls zu 70 Prozent gefördert.

Im Zuge der Bauarbeiten schließt die Stadt Vechta auch eine Lücke im Radwegenetz. Ein noch fehlendes Teilstück des Fahrradwegs entlang des Moorbachs wird angelegt, der Anschluss an den Zitadellenpark hergestellt.

 

Nepomukgraben ausgebaut, neue Leitungen unter Stadtpark verlegt Projekt (fertig)

Anfang 2019 werden die nächsten Bauarbeiten vorbereitet: Im Bereich des Nepomukgrabens und des Bee-Parks soll eine Engstelle beseitigt werden, die im Hochwasserfall für Überschwemmungen sorgen kann.

Die Arbeiten beginnen im April 2019.  Der Nepomukkanal wird in seinem Verlauf ausgebaut beziehungsweise verbreitert. Zusätzlich werden zwei neue Betonrohrleitungen unter dem Stadtpark verlegt, da der Verlauf des Kanals um den Stadtpark herum nur eine geringe Wassermenge aufnehmen kann. Außerdem lässt die Stadt eine Wehranlage im Nepomukkanal an der Mühlenstraße bauen. Das Wehr steuert bei zukünftigen Starkregenereignissen und Hochwasserlagen das Ableiten des Regenwassers über die zwei neuen Kanalrohre. Dadurch können bis zu 2,1 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aufgenommen werden und schneller abfließen.

Zudem wird ein 230 Meter langer Wall entlang des Philosophenweges angelegt. Dieser schützt dort die Privatgrundstücke vor einer Überschwemmung. Entlang der Straße An der Wassermühle wird eine 160 Meter lange Betonwand gebaut, um öffentliche Straße und dortige Privatgrundstücke zu schützen. Die Bauarbeiten werden noch im Jahr 2019 abgeschlossen. Der Bee-Park wird im Zuge dessen neu angelegt und attraktiver für Besucherinnen und Besucher gestaltet.

Das neue Grabensystem und der Ausbau des Nepomukgrabens tragen dazu bei, dass die Durchflussleistung des Stadtdurchganges auf insgesamt circa zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde erhöht wird. Die Gesamtkosten betragen circa 1,67 Millionen Euro. Davon werden 70 Prozent, 1,17 Millionen Euro, vom Land Niedersachen gefördert.

 

Strömungstechnisches Bauwerk errichtet (fertig)

Anfang Juni 2020 beginnen die Arbeiten im Bereich der Eisenbahnbrücke. Die beauftragte Firma errichtet das neue strömungstechnische Bauwerk. Im November 2020 ist es fertiggestellt. Die Endabrechnung muss noch erfolgen, aber auch dieses Projekt fördert der NLWKN.

 

Ausbau der Moorbachs zwischen Wassermühle und Willohstraße (aktuell)

Der Moorbach verläuft in dem Bereich bisher sehr geradlinig. Er wird nun ausgeweitet und in seinen natürlichen Verlauf versetzt. Durch die Ausweitung wird ein Überschwemmungsgebiet geschaffen, dessen Ausmaße vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) festgelegt werden.

Das Projekt hat aber nicht nur den Hochwasserschutz zum Ziel. Der Bereich des Moorbachs wird auch ökologisch aufgewertet. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei die Sohlgleite, die nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie geschaffen wird. Diese so genannte Fischtreppe macht den Moorbach für Fische und andere Wassertiere in beide Richtungen durchgängig. Die Tiere können Plätze mit guten Laich- und Nahrungsbedingungen erreichen und ruhige Orte für den Winteraufenthalt aufsuchen.

Die Fischtreppe beginnt neben der Wehranlage an der Wassermühle. Sie ist etwa 2,50 Meter breit und verläuft auf einer Länge von etwa 90 Metern nahezu parallel zum Moorbach. Dabei wird sie zweimal von dem Fußweg gekreuzt, der mit Hilfe von Stelzen neu gestaltet wird und somit einen Beitrag zur Naherholung leisten soll. Er ist bisher mehrere Monate im Jahr wegen Überschwemmungen nicht begehbar.

Diese ist ohnehin auch immer ein weiteres Ziel des Projektes: Für die Bürgerinnen und Bürger werden Bereiche geschaffen, die attraktiv sind, um sich dort aufzuhalten, eine Radtour oder einen Spaziergang dort entlang zu machen. Beispiele sind die Fuß- und Radwegeverbindungen zwischen Zitadelle und Hochzeitswald, die in den vergangenen Jahren im Zuge des Hochwasserschutzprojektes gebaut wurden. Aber auch der Bee-Park zwischen dem Alten Rathaus und der Mühlenstraße wurde wesentlich attraktiver gestaltet. Auch die Wegeverbindung zwischen Wassermühle und Willohstraße soll parkähnlich angelegt werden. 

Die Kosten für das Projekt betragen circa drei Millionen Euro. Davon werden rund eine Million Euro durch Bundes- und Landesmittel aus dem Fördertopf „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ abgedeckt. Das entspricht 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei guten Witterungsbedingungen könnte das Projekt im Frühjahr 2023 fertiggestellt werden.

Die Pläne sind öffentlich mehrfach vorgestellt und vom Rat der Stadt Vechta beschlossen worden. Die Effektivität der Maßnahmen wurden von Ingenieurbüros errechnet. Eng an dem Projekt beteiligt wurden immer auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta sowie die für die heimischen Gewässer zuständige Hase-Wasser-Acht.

In der Vorbereitung darauf wurde öffentlich angekündigt, dass bedauerlicherweise viele Bäume im Uferbereich gefällt werden müssen, um das Projekt umsetzen zu können. Die Baumfällung und weitere Maßnahmen gehen mit einer baubiologischen Begleitung durch ein Fachbüro einher. Durch die Renaturierung dieses Bereichs des Moorbachs wird aber ein Mehrwert geschaffen. 

 

Zwei Rückhaltebecken vor dem Stadtgebiet (geplant)

Mit dem Bau von zwei Rückhaltebecken vor dem Stadtgebiet soll das Hochwasserschutzkonzept vollendet werden. Es sollen zwei große Becken geschaffen werden, in denen große Wassermengen im Hochwasserfall aufgestaut werden können. Vor dem Bau wird ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt, indem die Eingaben und Interessen der Träger der öffentlichen Belange sowie der Bürgerinnen und Bürger geprüft und berücksichtigt werden. Das Verfahren führt der Landkreis Vechta durch. Die Einleitung des Planfeststellungsverfahren wird zurzeit vorbereitet.